Welt : Wie Adenauer mehr Wodka vertrug

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Am 8. September 1955 brach eine westdeutsche Delegation um den damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Moskau auf. Die fünftägigen Verhandlungen begannen am Abend der Ankunft der Deutschen mit einem großen Galabankett, an den folgenden Abenden standen jeweils große Empfänge auf der Tagesordnung.

Der Kanzler wollte jedoch unter allen Umständen vermeiden, dass das Ansehen der jungen Bundesrepublik und die Verhandlungserfolge durch ein angetrunkenes, deutsches Delegationsmitglied zunichte gemacht werden würden. Aber er wusste auch, dass die deutsche Abordnung die angebotenen Getränke nicht einfach ablehnen konnte. Deshalb beauftragte er Hans Globke, wegen seiner NaziVergangenheit umstrittener Ministerialdirektor im Innenministerium, jedem Delegationsmitglied am frühen Abend eine Portion Olivenöl zu verabreichen, denn so würde der Alkohol später und schwächer wirken.

Tatsächlich legt das Öl zunächst einen dünnen Film über die Zellmembrane und verhindert so im ersten Schritt, dass der Alkohol schnell in die Organe vordringt. Entscheidender ist aber, dass die Leber als Reaktion auf das Öl große Mengen der Enzyme ausschüttet, die den Alkohol zersetzen.

Adenauer beobachtete außerdem, dass die sowjetischen Gastgeber neben den alkoholischen Getränken, auch immer ein Glas Wasser tranken. Adenauer bestand darauf, dass der deutschen Delegation ebenso Wasser bereitgestellt wurde.

Ob es nun der Wirkung des Alkohols oder dem klaren Kopf Adenauers geschuldet war, ist nicht überliefert – aber am Ende der Verhandlungen sagte Chruschtschow zu, die verbliebenen deutschen Kriegsgefangenen freizulassen. Und die Bundesrepublik und die Sowjetunion einigten sich darauf, diplomatische Beziehungen aufzunehmen.

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