Welt : Wie das Zitat seiner Sprecherin zustande kam

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Kurz, nachdem am Montag das Ausmaß des Massakers bekannt wurde, meldete die Nachrichtenagentur AP , Bushs Sprecherin Dana Perino habe nach dem Amoklauf gegenüber der Presse folgenden Satz gesagt: „Der Präsident ist der Ansicht, dass Menschen ein Recht haben, Waffen zu tragen , aber dass alle Gesetze befolgt werden müssen.“

Hat Bush nichts Besseres zu tun, als ausgerechnet kurz nach einem Massaker das Recht auf Waffen zu bekräftigen? Das wörtliche Protokoll der Pressekonferenz kann auf der Webseite des Weißen Hauses nachgelesen werden. Das Zitat ist präzise wiedergegeben. Für das Verständnis des Zitats ist es aber wichtig, dass Bushs Sprecherin diesen Satz erst sehr viel später auf die Nachfrage einer Reporterin sagte.

Zu Beginn des Pressegesprächs hatte die Sprecherin ausführlich die Anteilnahme des Präsidenten für die Opfer des Amoklaufs zum Ausdruck gebracht. Im Anschluss daran ging es um andere Themen, Irak, Russland, Nigeria. Als die Journalisten mit ihren Fragen dran waren, fragte eine Reporterin, ob sich nach den Ereignissen in Virginia aus der Sicht des Weißen Hauses beim Thema Waffengesetze etwas tun werde. Daraufhin fiel der zitierte Satz. Sowie der Hinweis, sollte sich an der Politik des Präsidenten in dieser Hinsicht etwas ändern , würden die Reporter darüber informiert.

Der Hergang macht deutlich, dass der möglicherweise entstandene Eindruck, Bush habe von sich aus wenige Stunden nach den schrecklichen Ereignissen den Amoklauf zum Anlass genommen, das Recht auf Waffen zu bekräftigen, falsch ist. Das macht zwar die Haltung Bushs nicht besser, das Zitat der Sprecherin erscheint aber in einem etwas anderen Licht . Die in der sachlichen Atmosphäre eines Pressegesprächs geäußerte Feststellung, dass Bush an seiner Politik festhält, war so wenig neu oder überraschend, dass sie in den amerikanischen Medien kaum der Erwähnung wert war und auch keine Empörung und keine Debatte auslöste. os

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