WIE ES WEITERGEHT : Rechtliche Hürden im Auslieferungsverfahren

In Amerika rechnen Rechtsexperten nicht mit einer raschen Auslieferung Roman Polanskis. Die Schweiz hat zwar ein solches Abkommen mit den USA. Doch es enthält nach Darstellung amerikanischer Medien eine Klausel, die das Verfahren in Polanskis Fall in Frage stellt. Demnach müssen die US-Justizbehörden nachweisen, dass der Betroffene mindestens sechs Monate Gefängnis vor sich hat. In Polanskis Fall wurde die Haftstrafe nie rechtskräftig festgelegt. In den USA erfolgen Schuldspruch und Strafzumessung in zwei getrennten Verfahren. Polanski war 1978 im Zeitraum zwischen den beiden Verfahren aus den USA nach Frankreich geflohen. Die juristischen Aspekte des Falls waren von Anfang kompliziert. Nach Polanskis Darstellung gab es damals eine Absprache zwischen Anklage und Verteidigung: Er bekennt sich in einem der sechs Anklagepunkte – Sex mit einer Minderjährigen – für schuldig. Im Gegenzug wird die Strafe auf 42 Tage Einweisung zur psychologischen Beobachtung begrenzt. Nach dieser Phase wollte sich der zuständige Richter Laurence Rittenband nach Polanskis Eindruck nicht an die Absprache halten, sondern ihn zu bis zu 50 Jahren Gefängnis verurteilen, um ein Exempel zu statuieren. Polanski floh, ehe es zur Strafzumessung kam. Seither hat er Länder vermieden, von denen er befürchtete, sie könnten ihn an die USA ausliefern, vor allem Großbritannien. Von der Schweiz hatte er das offenkundig nicht erwartet; er hat dort ein Ferienhaus. Manche Beobachter argwöhnen, die Schweiz verhalte sich hier plötzlich kooperativ, um den Konflikt mit den US-Steuerbehörden um Bankdaten amerikanischer Anleger, die unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung stehen, zu dämpfen. Polanski hatte sich in den jüngsten Jahren darum bemüht, dass sein Fall der Justiz in Los Angeles entzogen wird, weil er sie für voreingenommen hält. Im Februar lehnte ein Obergericht das ab. cvm

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben