Welt : Wie im Katastrophenfilm

Tausende saßen nachts im Rhonetal auf der Autobahn und in Zügen fest Paris (dpa/AP).Die Sonnenroute in Frankreichs Süden ist in der Nacht zu Freitag zur Eisfalle geworden.10.000 Bahnreisende saßen fest, rund 6000 Autofahrer kamen nicht durch, viele von ihnen waren die ganze Nacht in ihren Fahrzeugen eingeschlossen.Nichts ging mehr im Rhonetal, der wichtigsten französischen Nord-Süd-Verbindung. Als sich die Retter gegen 3 Uhr nachts auf der Nationalstraße N7 bei Malataverne im Departement Drome zu einem Bus mit deutschen Rentnern vorgekämpft hatten, kam für einen 86jährigen aus Mönchengladbach jede Hilfe zu spät.Er hatte einen Herzanfall erlitten.Auch eine 67jährige Frau aus Schmolde-Penzlin in Brandenburg, deren Reisebus steckengeblieben waren, starb an einem Herzanfall. Auch auf der parallelen Autobahn "Autoroute de Soleil" brachte der Neuschnee den Verkehr zum Erliegen."Es war wie in einem Katastrophenfilm", erzählte Autofahrer Norbert Rebeuh.Und er hatte noch Glück: Er konnte noch ein Hotel in Etoile-sur-Rhone im Departement Drome ansteuern.Nachdem alle 40 Zimmer belegt waren, wurden 150 Gäste in der Empfangshalle einquartiert.Im Raum Lyon und anderswo ließen viele Leute ihr Auto einfach auf der Autobahn stehen und schlugen sich zu Fuß nach Hause durch. 3000 Menschen mußten allein im Departement Drome die Nacht im Auto verbringen, ebenso viele konnten in 14 Notunterkünften, Turnhallen, Gasthöfen und Schulen untergebracht werden.Ein Ausweichen auf die Schiene war sinnlos: Vereiste Weichen und zehn Zentimeter dicke Eispanzer an den Oberleitungen hatten den Eisenbahnverkehr zum Erliegen gebracht.Rund 30.000 Bahnreisende waren betroffen, 10.000 von ihnen saßen noch am Abend fest und mußten die Nacht in Hotels, Notquartieren oder sogar in Zügen verbringen.Tausende wurden von den Behörden mit Lunchpaketen und Frühstück versorgt.Auch Stromstöße mit Hochspannung konnten die Oberleitungen nicht abtauen.Die TGV-Hochgeschwindigkeitszüge wurden mit Dieselloks in Bahnhöfe geschleppt. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ist die Themse bei Marlow, 40 Kilometer westlich von London, zugefroren.Die wettfreudigen Briten setzten bereits Geld darauf, ob die Themse auch in der Hauptstadt zufrieren wird. Der Frost behält Deutschland auch am Wochenende fest im Griff.31 Menschen kamen bisher durch die Kälte ums Leben.In ganz Europa wird die Zahl der Kältetoten auf mindestens 160 geschätzt.Der Schiffsverkehr zu den sieben Nordseeinseln im niedersächsischen Wattenmeer kam am Freitag fast ganz zum Erliegen.Der Fährverkehr zwischen Stralsund und der Ostseeinsel Hiddensee sowie zwischen Stahlbrode und der Insel Rügen bleibt eingestellt.

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