Welt : "Wie nach einem Wirbelsturm"

CHAMONIX/WIEN (AFP)."Es war wie ein Donnerschlag, dann eine riesige weiße Wolke und danach nur noch Totenstille", schildert ein Bewohner den Lawinenabgang, bei dem am Dienstag nahe Chamonix in den französischen Alpen vermutlich zwölf Menschen den Tod gefunden haben.

Die meisten Bewohner und Urlauber der Gemeinden Le Tour und Montroc am Fuße des Montblanc stehen einen Tag nach dem Unglück noch unter Schock und wollen auf keine Fragen antworten.Nur einige der völlig erschöpften Helfer reden sich die Schreckensbilder, aber auch die Angst von der Seele.Denn die rund 200 Angehörigen der Rettungsdienste, die sich alle vier Stunden ablösen, arbeiten wegen der andauernden Lawinengefahr unter Einsatz ihres eigenen Lebens.

"Man hat pausenlos Angst, eine Lawine auf den Kopf zu bekommen, aber wir helfen aus Verantwortungs- und Pflichtgefühl", sagt der 19jährige Yannick Deschamps.Der Pistenwart hat sich trotz der Gefahr für das eigene Leben freiwillig gemeldet.

Die Rettungstrupps mußten sich aufgrund der verschütteten Zugangsstraße zunächst auf Schneeschuhen, Skiern und Raupenfahrzeugen mühsam zwei Kilometer zu dem Unglücksort heranarbeiten.Hubschrauber konnten wegen der heftigen Schneefälle nicht starten.Die ganze Nacht über suchten die Helfer im Scheinwerferlicht mit Sonden und Lawinenhunden nach Verschütteten."Es sah aus wie nach einem Wirbelsturm", berichtet Deschamps.

In den eingeschneiten Gebieten der österreichischen Alpen hat sich die Lage am Mittwoch etwas entspannt, doch sitzen immer noch etwa 22 000 Urlauber in eingeschneiten Orten fest.Im Westtiroler Paznauntal konnten nach Angaben der zuständigen Gendarmerie etwa 3000 Urlauber am Nachmittag die Heimreise antreten, nachdem seit dem Morgen kein Neuschnee mehr gefallen und die Zufahrtsstraße geräumt war.In den von der Außenwelt abgeschnittenen Alpentälern begann die Armee, die Bevölkerung aus der Luft mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen.In den österreichischen Alpentälern um den Arlberg mit den Wintersportorten Zürs, Lech und St.Anton fielen in der Nacht zum Mittwoch 40 Zentimeter Neuschnee, nachdem zuvor bereits die Schneedecke um über zwei Meter angewachsen war.

Extremsportler verschaffen sich mit Lawinen einen Kick

FREIBURG.Die seltene Warnung vor Lawinen-Gefahr in den letzten Tagen im Schwarzwald übt auf manche Sportsfreunde offenbar einen besonderen Reiz aus.Wie die Bergwacht Schwarzwald am Mittwoch in Freiburg mitteilte, wurden einige "Extremsportler" am Feldberg gesichtet, die in lawinengefährdeten Regionen trotz der andauernden Warnungen Ski fuhren.Diesen Einzelgängern mit dem "Lawinen-Kitzel" gehe es wie anderen beim Hochwasser, hieß es: "Da muß auch immer einer vorne stehen."

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