Welt : Wie Tierschützer die Qualen der Vögel verlängern

Jörn Hasselmann

12 000 Vögel kamen bisher mit Öl verschmiertem Gefieder an den französischen Küsten an. Allein in der Tiermedizinischen Schule in Nantes behandeln 2000 Helfer tausende Vögel. Allein am Montag kamen hier 2500 Tiere an. Für die meisten gibt es jedoch keine dauerhafte Rettung. Der Untergang der Erika wird den alten Streit wieder anheizen, wie mit verölten Tieren umgegangen werden soll. Denn auch in der Bretagne haben selbst ernannte Tierschützer begonnen, den Vögeln und Enten das Öl aus dem Gefieder zu schrubben. Selbst speziell konstruierte Vogelwaschmaschinen wurden erfunden, die die Vögel mit warmen Wasser besprühen. Natürlich gibt es ein passendes "Vogel-Shampoo". Auch die Zwangsernährung eingefangener Tiere mit flüssigem Fischbrei ist umstritten, da sich der Magen der Vögel dadurch zurückbildet. Schon nach wenigen Tagen sind Enten nicht mehr in der Lage, sich natürlich zu ernähren.

Experten halten all das Einfangen verölter Tiere für Quälerei, so zum Beispiel das schleswig-holsteinische Nationalparkamt. Denn nach der Havarie der Pallas im vergangenen Jahr waren ebenfalls Helfer vom Festland vom Festland nach Amrum gereist, um Vögel zu säubern. Einheimische Jäger dagegen töteten mit Schrotflinten die an den Stränden angelandeten Tiere.

Auch in gutem Willen gesäuberte Tiere sterben schnell. Von den 16 000 auf Amrum durch die Pallas verölten Tieren wurden 1200 in "Pflegestationen" eingeliefert 500 von denen wurden wieder frei gelassen. Lediglich 50 bis 100 würden ein Jahr in Freiheit überleben, glauben Experten des Nationalparkamtes. Andere Untersuchungen sind noch pessimistischer: Bei gereinigten Trottellummen überlebten nur 0,6 Prozent das erste Jahr. Gereinigte Lummen hatten eine Lebenserwartung von nur sieben Tagen, gesunde von 599 Tagen. Dies sind Zahlen britischer Forscher. Eine holländische Statistik besagt, dass 22 Prozent gereinigter Vögel das erste Jahr überleben.

Das Landesamt für den Nationalpark resümiert, dass zwar einzelnen Tieren durch eine Säuberung geholfen werden kann, bei der Mehrzahl dagegen werden nur die Qualen verlängert. Denn das Öl verklebt Magen und Darm der Tiere. Klar ist, dass die Zahl der verölten Tiere nicht von der Menge des Öls abhängt. Die 223 000 Tonnen Öl der 1978 vor der Bretagne gestrandeten Amoco Cadiz tötete nur 4500 Vögel. Bei der Pallas starben 16 000 Vögel durch 60 Tonnen.

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