Welt : Wie Tsunamis entstehen

Seebeben sind die häufigste Ursache der Flutwellen

Paul Janositz

Tsunamis können entstehen, wenn der Meeresboden stark erschüttert wird. Punktförmig rasen dann Wellen vom Entstehungsort los. Unter der Wasseroberfläche entstanden, sind sie anfangs kaum sichtbar. Wie sich die Wellen weiter ausbreiten und welche Auswirkungen sie haben, hängt außer von der Stärke der Erschütterung auch von der Tiefe des Meeres ab. In tiefen Regionen kann ein Tsunami bis zu 800 Stundenkilometer schnell sein. Die Wellen ragen dann nur einen halben Meter bis einen Meter über die Wasseroberfläche. Sie können daher auch von Satelliten nur schwer erkannt werden. Je flacher die Küstenregion ist, auf die der Tsunami trifft, desto langsamer wird die Welle. Reibung bremst die Wassermassen ab und die Welle bricht, bevor sie das Festland trifft. Es kommt zu keinen schweren Schäden

Problematischer ist es für Regionen, bei denen das Wasser vor der Küste tief ist. Der Tsunami breitet sich zunächst ungestört aus, bevor er vom steilen Küstenanstieg rapide gebremst wird. Die Wellenberge können sich dann 20 bis 30 Meter hoch türmen, wenn sie auf das Festland treffen. So geschah es bei dem verheerenden Tsunami am 26. Dezember 2004 in der indonesischen Provinzhauptstadt Banda Aceh.

In eher seltenen Fällen werden Tsunamis durch Vulkanausbrüche oder Erdrutsche ausgelöst, die unter der Wasseroberfläche stattfinden. Sogar der Einschlag von Kometen kann Riesenwellen hervorrufen, wie es wohl vor 65 Millionen Jahren im Golf von Mexiko der Fall war und zum Aussterben der Dinosaurier führte. In etwa neun von zehn Fällen sind aber Seebeben die Ursache, die von Erdstößen unter dem Meeresboden ausgelöst werden. Besonders häufig kommt dies in Gegenden vor, in denen Erdplatten aneinander stoßen. Wenn diese aneinander schrammen, sich ineinander verhaken oder eine Platte unter die andere gleitet, kann das Gestein brechen. Die verkeilten Blöcke verschieben sich schlagartig und Erdbebenwellen breiten sich nach allen Richtungen aus.

Besonders groß ist das Risiko rings um den Pazifik. Dort befindet sich ein „ring of fire“ genannter vulkanischer Gürtel. Einen großen Teil des Indischen Ozeans nimmt die indisch-australische Platte ein. Vor Sumatra, den Nikobaren und den Andamanen schiebt sie sich in einer 1000 Kilometer langen Bruchzone mit etwa sieben Zentimetern pro Jahr in Richtung Nordosten unter die eurasische Platte. Nicht nur die Katastrophe vom Dezember 2004 auch der jetzige Tsunami hatte dort seinen Ausgangspunkt. Allerdings liegt das Epizentrum jetzt 360 Kilometer südlich von Jakarta, etwa 1500 vom Ort des Seebebens vor eineinhalb Jahren entfernt.

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