Welt : Wie viele Kinder noch?

Der Fall Marc Hoffmann wird monströs – auch Adelina soll sein Opfer sein

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Stade Marc Hoffmann soll einem früheren Mithäftling auch die Tötung der kleinen Adelina gestanden haben. Damit sowie mit dem Geständnis weiterer Morde nimmt der Fall des Kindermörders immer monströsere Dimensionen an. Allerdings sind die Aussagen noch nicht durch andere Belege erhärtet. Am Montag sagte im Prozess vor dem Landgericht Stade ein Polizist aus, der den einstigen Zellengenossen Hoffmanns vernommen hatte. Diesem gegenüber habe Hoffmann die Tat mit den Worten „Da bin ich noch mal schwach geworden“ zugegeben. Die zehnjährige Adelina aus Bremen war im Juni 2001 verschwunden. Ihre Leiche wurde im Oktober 2001 gefunden. Hoffmann hat bereits gestanden, die Kinder Levke und Felix verschleppt, sexuell missbraucht und getötet zu haben.

Gegenüber der Polizei hat er nach Aussagen eines zweiten Beamten bei fünf Vernehmungen weitere Verbrechen aber bestritten und erklärt, er habe bereits „reinen Tisch gemacht“. Es gebe „nichts mehr zu gestehen“. Hoffmann habe auch gesagt, er habe mit Adelina „nichts zu tun“, berichtete der Ermittler. Als das Gespräch auf diesen Fall gekommen sei, habe Hoffmann aber „emotional sehr stark reagiert“ und die Vernehmung abgebrochen. Erstmals erzählten die Beamten am Montag im Detail, welche angeblichen weiteren Verbrechen Hoffmann dem Mithäftling nach dessen Aussagen gestanden hat. Danach soll der Angeklagte auch Morde an einem Mädchen und einem Jungen in Ostdeutschland zugegeben haben.

Den Jungen hat er angeblich an einer Autobahnraststätte vergraben.

Auch von Morden an zwei Anhalterinnen habe er gesprochen. Eine will er in Bremerhaven erschossen, die andere bei Schwerte in bewusstlosem Zustand vergraben haben. Zusammen mit einem Freund habe er zudem eine junge, betrunkene Frau in Bremerhaven vergewaltigt, durch einen Kopfschuss getötet und die Leiche dann mit einer Handgranate verstümmelt. Die Angaben des Mithäftlings seien aber örtlich und zeitlich sehr unkonkret gewesen, sagte der Polizist. Dieser habe sich durch die Aussage offenbar Vorteile für seinen eigenen Prozess erhofft.

Der Oldenburger Polizeipräsident Hans-Jürgen Thurau hatte am Wochenende die ermittelnden Beamten gegen den Verdacht von Fahndungspannen in Schutz genommen. Einige Medien hätten an seinen Mitarbeitern in den vergangenen Tagen „in einer nicht zu rechtfertigenden Weise Kritik geübt.“ Letztlich habe die „engagierte Arbeit“ und „wirklich professionelle Vorgehensweise“ der Sonderkommission dazu beigetragen, dass der mutmaßliche Täter Marc Hoffmann überführt wurde und ein Geständnis ablegte.

Thurau reagierte damit auf Spekulationen, die Polizei hätte nach dem Mord an der achtjährigen Levke im Mai vergangenen Jahres die Tötung des gleichaltrigen Felix Ende Oktober eventuell verhindern können. Die Mutmaßungen waren durch die Aussagen von zwei Zeugen im Prozess gegen Hoffmann vor dem Landgericht Stade genährt worden. Ein Jugendfreund des 31-jährigen Angeklagten und eine Freundin seiner Familie hatten erklärt, der Polizei schon Anfang September – rund sieben Wochen vor dem Verschwinden von Felix – Hinweise auf Hoffmann gegeben zu haben. Zu den Spekulationen trug die Sonderkommission allerdings vorübergehend auch selbst bei. Ein Sprecher hatte zunächst bestätigt, dass die Polizei Hoffmann nach dem Verschwinden von Levke drei Mal auf dem Parkplatz in einem Wald gefilmt hatte, wo der Schulranzen und die Jacke des Kindes gefunden worden waren. Später korrigierte er sich und gab an, gefilmt worden sei nur das Auto, mit dem Hoffmann unterwegs war, nicht aber dieser selbst. Da der Wagen auf Hoffmanns Mutter zugelassen war, gab es für die Polizei keinen direkten Bezug zu dem mutmaßlichen Mörder. dpa

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