Welt : Wie von einem anderen Stern

Ein Weltraumkommandant als Entwicklungshelfer: Dietmar Schönherr feiert seinen achtzigsten Geburtstag in Nicaragua

Christian Schröder

Wahrscheinlich wird die Zukunft nie wieder so großartig aussehen wie in den sechziger Jahren. „Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein – hier ist ein Märchen von übermorgen“, so euphorisch jubelte damals, im September 1966, der Vorspann, als auf den deutschen Fernsehschirmen die „Raumpatrouille Orion“ zum ersten Mal ins Weltall startete. Es gab keine Nationalstaaten mehr, die Menschen lebten in seltsamen Plexiglaswaben auf dem Meeresgrund, sie tanzten im „Starlight Casino“ und trugen Uniformen, die wie etwas zu enge Pyjamas aussahen. Angeführt wurde das Raumschiff, das die Erde vor außergalaktischen Bedrohungen beschützte, vom attraktivsten Mann des Universums: Commander Cliff Allister McLane.

Sieben Folgen lang hat Dietmar Schönherr, geboren als Dietmar Edler von Schönleiten, den Weltraumkommandanten gespielt, dann lief die Serie aus. Allein diese Rolle hätte ausgereicht, den Schauspieler unsterblich zu machen. Von Fans wird die „Orion“ ähnlich hartnäckig verehrt wie sonst nur die „Enterprise“. Erst vor drei Jahren kam unter dem Titel „Rücksturz ins All“ noch einmal ein Zusammenschnitt ins Kino. Schönherr hat achtzig Kinofilme gedreht und 1972 als Moderator von „Je später der Abend“, der ersten Talkshow des deutschen Fernsehens, Mediengeschichte geschrieben. Trotzdem sagt er: „Vielleicht habe ich ein Leben lang den falschen Beruf ausgeübt.“ Seinen achtzigsten Geburtstag feiert Dietmar Schönherr heute zusammen mit seiner Frau Vivi Bach in Nicaragua, wo er die Kulturstiftung „Casa de los Tres Mundos“ gegründet hat. „Das ist mein Lebenswerk.“

Schönherr ist ein Skeptiker, seine Jugend im Nationalsozialismus hat ihn gegen ideologischen Überschwang immunisiert. Der Sohn eines österreichischen Generals wuchs in Potsdam auf und wurde 1943 von der Ufa für seine erste Hauptrolle entdeckt. Der Propagandafilm „Junge Adler“, in dem auch Hardy Krüger debütierte, erzählte von einer Gruppe von Oberschülern, die Bomberkanzeln für den „Endsieg“ bauten.

Eigentlich wollte Schönherr Architekt werden, aber nach dem Krieg brach er sein Studium ab, um doch wieder zu filmen. Er synchronisierte James Dean, doch als er versuchte, die Coolness und das Understatement, das er bei Dean entdeckt hatte, in deutsche Heimatfilme und Melodramen einzubringen, stieß das bei den Regisseuren auf wenig Gegenliebe. Wichtiger als seine Auftritte in Filmen wie „Schachnovelle“ oder „Der längste Tag“ sind ihm ohnehin die fünfzehn Jahre im Ensemble des Züricher Schauspielhauses. „Ich habe zwar nie den Hamlet gespielt, aber dafür den Lear. Damit muss man zufrieden sein.“

„Sternloser Himmel“ heißt der Roman, in dem Dietmar Schönherr sein abenteuerliches Leben, aufgespalten in zwei Figuren, noch einmal aufgeschrieben hat (Eichborn Verlag, 192 S., 18,90 €). Im Herbst wird er als Sigmund Freud in einem ZDF-Dokudrama zu sehen sein. „Freud war wütend über die Unfähigkeit der Menschen, von ihrem Zerstörungstrieb loszukommen.“ Ihm fühlt er sich nahe.

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