Welt : Wieder alles offen

Nach der Freigabe der Ladenöffnungszeiten fehlen einheitliche Regelungen

Maximilian von Demandowsky

„Was denn, länger haben Sie heute nicht geöffnet?“ Der resolute ältere Herr steht enttäuscht vor der Eingangstür eines Bekleidungsgeschäftes am Tauentzien und kann es immer noch nicht so richtig glauben, dass ihn der Verkäufer mit einem Bedauern den Weg zur Eingangstür versperrt. Dabei hatte er sich heute Abend so viel vorgenommen. Die Einkaufsliste ist lang und bald ist ja auch wieder Weihnachten, da ist Vorsorge angebracht. Und ist nicht Berlin die Non-Stop-Shopping-Oase schlechthin? Von wegen.

Zwar jährt sich bald die weitgehende Freigabe des Ladenschlussgesetzes. Nun können die Geschäfte montags bis samstags rund um die Uhr öffnen. Allerdings ist von der anfänglichen Euphorie und der Hoffnung auf neue zahlungskräftige Kundenströme wenig geblieben. Viele kleinere Geschäfte schließen wieder um 20 Uhr, weil die Kundschaft ausbleibt. Mit extralangen Öffnungszeiten, wie in den Sommermonaten scheint jedenfalls erst mal Schluss zu sein. War die ganze Aufregung um die Öffnungszeiten also nur heiße Luft und Berlin ist wieder auf dem Weg zu einer geruhsamen Metropole mit Shopping-Erlebnissen auf Provinz-Niveau?

Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handels-verbandes Berlin-Brandenburg sieht das pragmatisch: „Wir haben 50 Jahre lang ein allgemeines Ladenschlussgesetz gehabt, da kann man auch mal eineinhalb oder zwei Jahre mit der neuen Freiheit experimentieren.“ Freilich. Für den Kunden muss es ja nicht unbedingt gleich Mitternacht sein, wenn der die neue Jeans anprobieren will, oder die große Pralinenschachtel für Omas Weihnachtsgeschenk auswählt. Aber ein bisschen später darf es schon sein. Und am Wichtigsten ist für ihn doch vor allem, wann nun welches Geschäft überhaupt geöffnet hat. Gespräche zwischen Gewerbetreibenden und Ladeninhabern über ein gemeinsames Vorgehen in Punkto Öffnungszeiten auf der Shoppingmeile Kurfürstendamm gibt es zwar. Beim Umsatz schaut dann aber doch jeder mehr auf die eigene Tasche. Nils Busch-Petersen: „Warum soll der Juwelier nach 20 Uhr öffnen, wenn da ’eh keiner kommt?“ Viel hängt dabei vom Standort ab, denn ein großes Kaufhaus kann es sich schon eher leisten, länger zu öffnen. Kurt Lehrke, Vorstandsvorsitzender der AG City e.V. plädiert vehement für einheitliche und verlängerte Öffnungszeiten. Im Interesse der Kunden. Seine Beobachtung: „Der Kunde ist enttäuscht, wenn es keine einheitlichen Öffnungszeiten gibt". Im Blickfeld sind ihm auch die zahlreichen Berlin-Besucher, die zu Kongressen oder Veranstaltungen anreisen. „Die haben meistens tagsüber keine Zeit und wollen gern nach 20 Uhr noch einen Einkaufsbummel machen.“

Tommy Erbe vom Werbeteam Berlin veranstaltet jedes Jahr die Lange Nacht des Shoppings und kennt die Situation in der City-West recht genau. Für ihn ist eine Angleichung der Öffnungszeiten eine klare Sache: „Das wichtigste für den Kunden ist doch die Verlässlichkeit". Allerdings weiß auch er um die unterschiedliche Ausgangslage einer Einkaufsstraße, wie dem Kurfürstendamm oder der Wilmersdorfer Straße, mit ihren vielen kleinen und mittleren Läden, die sich von den Shopping-Centern deutlich unterscheiden. „Im Gegensatz zu einem großen Shopping-Center, das seinen Mietern bereits im Mietvertrag die Öffnungszeiten vorschreiben kann, haben wir am Kurfürstendamm eine offene Einkaufsstraße, in der jeder Ladeninhaber selbst entscheiden kann, wie lange er geöffnet hat". Auch die kleinen und mittleren Ladeninhaber werden sich aber umgucken müssen, denn es droht starke Konkurrenz durch neue Shopping-Center, die täglich bis 21 oder 22 Uhr geöffnet haben.

Immerhin wird es zum Weihnachtsgeschäft aber wieder verlängerte Öffnungszeiten geben, vor allem locken die verkaufsoffenen Advents-Sonntage. Tommy Erbe geht davon aus, dass mit der Langen Nacht des Shoppings auch der Startschuss für ein verlängertes Einkaufserlebnis in den Wintermonaten ertönt und ist überzeugt, dass die meisten Geschäfte am Ku’damm auch freitags und samstags bis 22 Uhr öffnen. Markus Wobbe, Verkaufsleiter von Peek + Kloppenburg an der Tauentzienstraße, bestätigt: „Wir werden ab 22. November bis Ende Dezember von Donnerstag bis Samstag bis 21 Uhr öffnen und an den verkaufsoffenen Advents-Sonntagen von 13 bis 19 Uhr.“ Und auch das Traditionskaufhaus Kadewe öffnet die Tore dann bis Ende Dezember donnerstags, freitags und samstags bis 22 Uhr und an den Advents-Sonntagen von 13 bis 20 Uhr. Ein enttäuschter Blick auf verschlossene Ladentüren sollte also vermeidbar sein.Maximilian von Demandowsky

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