Welt : Wieder sterben in Paris Afrikaner Haus mit Einwanderern sollte saniert werden

Guillaume Decamme[Paris]

Es entfährt dem stellvertretenden Pariser Bürgermeister unwillkürlich: „Eine Schande!” Yves Contassot steht fassungslos vor der Hausnummer acht in der Rue Roi-Doré im Marais-Viertel, das eher für seine schwulen Szenekneipen bekannt ist. Doch just hier ist in der Nacht zum Dienstag ein völlig verwahrlostes Wohnhaus in Flammen aufgegangen. Sieben Menschen, darunter vier Kinder, sind dem Brand zum Opfer gefallen. Zwölf kinderreichen Familien aus Elfenbeinküste diente das besetzte Gebäude als „Notunterkunft“. Das Haus war vor sechs Monaten von der Stadt Paris gekauft worden. In wenigen Wochen sollte es saniert werden. Die Besetzer hätten dort anschließend weiterwohnen können.

Das Drama der Rue Roi-Doré ist bereits das dritte dieser Art in Paris binnen nur vier Monaten. Erst am Freitag waren 17 Personen in einer Notunterkunft einem verheerenden Feuer zum Opfer gefallen. In den verdreckten Häusern wohnten ausschließlich afrikanische Einwanderer. In den drei Fällen ist die Brandursache noch unklar. Bezirksbürgermeister Aidenbaum macht die „absolut unzulässigen und gefährlichen“ Zustände für die Katastrophenserie verantwortlich. Denn in Paris fehlt es an Sozialwohnungen. In der Hauptstadt stehen rund 100000 Menschen auf den Wartelisten der städtischen Sozialbehörde.

Angesichts ihres schwachen Einkommens müssen die meist aus Afrika stammenden Antragsteller in der Wartezeit auf „Notunterkünfte“ in der Rue Roi-Doré zurückgreifen. „Die Mittel für den sozialen Wohnungsbau sind unzureichend. Unterdessen verbrennen Menschen. Das ist ein Skandal“, empört sich der Pariser Wohnungsbaudezernent Jean-Yves Mano. Im Wohnhaus, das am vergangenen Freitag in Flammen stand, hätten Ratten, Mäuse und Kakerlaken zum Alltag gehört, berichtete ein Bewohner. Das am Freitag abgebrannte Haus ist Eigentum von Emmaus, der Stiftung des Armenpriesters Abbé Pierre. Das sei keine Seltenheit, meint Jean-Baptiste Eraud von der Vereinigung „Recht auf Wohnen“. „Die ehrenamtlichen Vereine und Stiftungen übernehmen immer mehr die Rolle des Staates. Sie mieten oder kaufen Wohnhäuser zu sehr niedrigen Preisen, die sie Einwanderern zur Verfügung stellen, bis denen eine Sozialwohnung zugeteilt wird.“

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