Wien : Indischer Sikh-Guru bei Schießerei getötet

Der Prediger Sant Rama Nand ist in der Nacht verstorben. Er wurde in Wien bei Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen der Sikh-Religion schwer verletzt

WienAnhänger des getöteten Predigers Sant Rama Nand blockierten mit Säbeln bewaffnet in der Nacht Straßen und Schienen im nordindischen Bundesstaat Punjab. Wie die Polizei berichtete, seien mehrere Autos und Eisenbahnwaggons in Flammen aufgegangen.

Im Distrikt Jalandhar griffen aufgebrachte Sikhs Medienberichten zufolge eine Polizeistation an.

Polizisten hätten in die Luft gefeuert, um die Menschenmenge zu vertreiben. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

Die indischen Behörden verhängten eine Ausgangssperre über Jalandhhar und weitere Teile Punjabs. Die Armee wurde in Alarmbereitschaft versetzt. Die Sicherheitsvorkehrungen vor Tempeln der Sikh-Religionsgemeinschaft wurden verschärft.

Rama Nand war aus Indien angereist, um in Wien zu predigen. Während der Zeremonie sei es zu einer Schießerei gekommen, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete.

Der indische Prediger war später in einem Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben. Er hatte auch in Indien viele Anhänger, vor allem unter den Sikh-Gläubigen aus niederen Kasten. Etwa zwei Prozent der mehr als eine Milliarde Inder sind Sikhs. Die meisten davon leben im Bundesstaat Punjab.

Bei den Auseinandersetzungen in dem Sikh-Tempel (Gurudwara) wurden laut Polizei mindestens 16 Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt. Unter den Verletzten befindet sich auch  der 68 Jahre alte Guru Sant Niranjan Dass. Er sei nach einer Notoperation stabil, berichtete die Polizei unter Berufung auf die Ärzte.

Widersprüchlichen Augenzeugenberichten zufolge hatten zwischen 150 und bis zu 350 Anhänger der Glaubensrichtung an der religiösen Feier in dem Tempel teilgenommen. Mitten in der Zeremonie drangen mehrere Männer mit Messer und Pistole bewaffnet in den Tempel ein.

Wie ein Augenzeuge berichtete, schossen sie gezielt auf die Prediger. Die Gläubigen rannten in Panik hinaus. Andere konnten die Angreifer überwältigen und verletzten sie dabei schwer.

Rama Nand hatte bereits früher in dem Wiener Tempel Predigten gehalten, die aber von den Anhängern einer rivalisierenden Sikh-Gruppe nicht akzeptiert worden seien. Diese sollen wiederholt Drohungen dagegen ausgesprochen haben.

Möglicherweise handelte es sich bei dem Streit um einen Konflikt zwischen streng religiösen, traditionalistischen und weniger religiösen Sikh-Gruppen. In Österreich leben nach der jüngsten Volkszählung knapp 2800 Sikhs, die Hälfte von ihnen hat einen österreichischen Pass.

ZEIT ONLINE

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