Wien : Unblutiges Ende einer Geiselnahme

Die Polizei hat einen Geiselnehmer in einer Wiener Bank überwältigt; Menschen kamen dabei nicht zu Schaden. Über die Motive des Mannes herrscht noch immer Unklarheit.

Wien - Ein 39-jähriger Österreicher hat am Dienstagvormittag eine Bankfiliale in einer belebten Geschäftsstraße überfallen und dabei fünf Menschen stundenlang als Geiseln festgehalten. Erst nach zähen Verhandlungen mit der Polizei und gutem Zureden seiner Freundin gab der mit einer Pistole bewaffnete Mann nach rund fünf Stunden auf. Er verließ am Nachmittag mit einer weiblichen Geisel das Gebäude und legte die Waffe zum Zeichen der Aufgabe auf den Boden. Die Polizei brachte die Geisel in Sicherheit, riss den Täter zu Boden und nahm ihn fest. Möglicherweise hatte er die Tat von Anfang an als Geiselnahme geplant.

Gegen elf Uhr hatte der Mann eine Filiale der Bawag-Bank in der belebten Mariahilferstraße überfallen und sich kurz darauf mit Angestellten und Kunden in dem Gebäude verschanzt. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an und sperrte das Gebiet weiträumig ab. Im Gegensatz zu ersten Annahmen der Polizei handelte es sich bei der Tat möglicherweise um eine von Anfang an geplante Geiselnahme. Nach Informationen der Nachrichtenagentur APA hatte der Mann unmittelbar nach dem Überfall in der Schalterhalle eine anwesende Frau vor die Tür geschickt, um die dort Wartenden über die Geiselnahme zu informieren.

Insgesamt hatte der Mann nach Polizeiangaben fünf Menschen in seiner Gewalt - vier Bankangestellte und einen Kunden. Innerhalb weniger Minuten ließ der 39-Jährige zunächst zwei Frauen und einen Mann frei. Eine weitere Geisel konnte das Gebäude am frühen Nachmittag unverletzt verlassen.

Zigaretten und ein Softdrink

Bei seinen Verhandlungen mit Polizeipsychologen stellte der Täter weder Forderungen, noch drohte er mit Gewalt. Stattdessen verlangte er Zigaretten und einen Softdrink. Der Bankräuber gab erst auf, als seine Freundin mit ihm sprach. Nach Angaben eines Polizeisprechers war der Täter wegen verschiedener Gewalt- und Einbruchsdelikte vorbestraft. Vermutlich habe der Mann auch finanzielle Probleme gehabt. Sein psychischer Zustand werde noch untersucht. Über den Verlauf der Geiselnahme sagte der Sprecher: "Es war steuerbar, aber nicht unkritisch."

Zunächst war von einer Kurzschlussreaktion des Täters die Rede gewesen: Der Bankräuber könnte sich in die Enge getrieben gefühlt haben, weil die Polizei zur Stelle war, ehe er flüchten konnte, hieß es. Später sagte ein Ermittler der APA, die Geiselnahme könnte von vornherein geplant gewesen sein. Es sei denkbar, dass der Täter nur "Aufmerksamkeit erregen" wollte. Dafür spreche, dass er während der Verhandlungen immer verlangte, mit Freunden zu sprechen. (tso/dpa)

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