''Wilbär'' : Geheimes Eisbärenbaby in Stuttgarter Zoo

Schon seit Dezember lebt im zoologisch-botanischen Garten Wilhelma in Stuttgart ein Eisbärenbaby. Der Kleine ist einen Tag älter als Flocke, doch erst jetzt lüfteten die Verantwortlichen das Geheimnis.

Tanja Wolter
Wilbär
Wilbär. Eisbärbaby, die Dritte. -Foto: dpa

StuttgartAlle reden von Flocke oder Knut - nur im zoologisch-botanischen Garten Wilhelma in Stuttgart sind Eisbären in den vergangenen Monaten ein Tabuthema gewesen. Nicht etwa, weil die Schwaben neidisch auf den Nachwuchs im Nürnberger Tierpark wären, sondern weil sie ein Geheimnis zu hüten hatten. Das Geheimnis heißt Wilbär, ist ein zweieinhalb Monate alter Eisbärenjunge und wiegt inzwischen sechs Kilogramm. Am 10. Dezember 2007 - einen Tag vor der Nürnbergerin Flocke - kam er zur Welt, und abgesehen von ein paar wenigen Zoomitarbeitern wusste bis Donnerstag niemand von seiner Existenz.

"Der Rummel um Knut war vor allem von den Medien gemacht", sagt der Stuttgarter Zoodirektor Dieter Jauch. Und diesen Rummel, der derzeit bei Flocke seine Fortsetzung findet, will er Wilbär ersparen. Das ist ihm zunächst auch gelungen. Selbst innerhalb des Zoobetriebs wurde die Geburt als "Top Secret" behandelt. Nur wenige Auserwählte wie die Bärenpfleger und der Tierarzt des Zoos bekamen Wilbär bislang überhaupt zu Gesicht. "Wir wollen alles tun, damit er ganz normal aufwachsen kann", betont Jauch.

Keine Handaufzucht

Optisch unterscheidet sich Wilbär kaum von den Vorgänger-Babys, die international für Schlagzeilen sorgten. Aber er wächst - anders als Knut und Flocke - in der Obhut seiner Mutter Corinna auf, die 1989 im Zoo von Kopenhagen geboren wurde und wie der aus Karlsruhe stammende Eisbärenvater Anton seit 1990 in der Wilhelma lebt. Eine Handaufzucht droht dem kleinen Eisbärenjungen offensichtlich nicht. Die Eisbärenmutter kümmere sich "vorbildlich" um ihren Spross, sagt Jauch.

Für die Wilhelma ist das Eisbärenbaby eine Premiere. Bislang scheiterten dort sämtliche Versuche, gesunden Nachwuchs aufzuziehen. Die Eisbärendame Corinna hatte zwar seit 2001 jährlich eine Geburt, doch die Bärenbabys starben. Teilweise habe es sich um Frühgeburten gehandelt, erklärt Zoologin Ulrike Rademacher. Ein Junges sei "über Nacht verschwunden", wurde also vermutlich von der Mutter aufgefressen. "Eisbären sind sehr störungsanfällig", fügt Rademacher hinzu.

Filmaufnahmen auf der Homepage

Corinna und Wilbär wurden zumindest von menschlichen Störquellen die ersten Wochen hermetisch abgeriegelt. Erst seit der siebten Woche ist Eisbärpfleger Jürgen Deisenhofer ein regelmäßiger Gast, um die hungrige Mutter zu füttern. Wilbär gibt sich dagegen momentan noch mit der Muttermilch zufrieden, leckt aber nach Auskunft des Pflegers schon ab und zu neugierig am Fisch. Zoodirektor Jauch will Mutter und Kind noch weitere Wochen Ruhe gönnen. Er schätzt, dass beide frühestens Ende April der Öffentlichkeit präsentiert werden. Bis dahin sind von Wilbär lediglich Filmaufnahmen auf der Homepage des Zoos zu sehen.

Auch auf eine breite Vermarktung des Eisbärenbabys will Jauch verzichten. Zwar sei der Name Wilbär geschützt worden, aber nur, um andere davon abzuhalten, Geschäfte damit zu machen. Für die Zoobesucher werde es aber einige Artikel zum Kauf geben, um den Bedarf zu stillen, darunter ein Plüschtier. Wilbär werde sicherlich nicht den Starruhm von Knut erlangen - und das sei gut so, fügt Jauch hinzu. "Dazu ist er einfach zu normal". (ddp)

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