Wildfleischskandal : Staatsanwaltschaft ermittelt

Das Unternehmen soll möglicherweise verdorbenes Fleisch in Umlauf gebracht und auf Produkten teils falsche Inhaltsangaben gemacht haben. Die Staatsanwaltschaf hat Ermittlungen aufgenommen.

Passau/Landshut - Es werde geprüft, ob Verantwortliche der Passauer Firma Berger-Wild GmbH gegen das Lebensmittelrecht verstoßen haben, sagte ein Sprecher der für Wirtschaftskriminalität zuständigen Landshuter Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Zudem seien weitere Tatbestände wie Betrug denkbar.

Das bayerische Verbraucherschutzministerium hat weiterhin keinen Überblick, wie viele Berger-Wildfleischprodukte noch im Handel sind. Das Unternehmen, das rund 200 Mitarbeiter beschäftigt, hat nach Angaben des Ministeriums die Zusammenarbeit mit den Behörden eingestellt. Deshalb sei die Staatsanwaltschaft um Amtshilfe gebeten worden.

In den Niederlanden wurde unterdessen eine Partie des gefälschten Wildfleisches aus Bayern rechtzeitig gestoppt. Die Behörden teilten mit, ein Empfänger in den Niederlanden sei alarmiert worden, noch bevor er das Fleisch an Supermärkte geliefert habe. Der deutsche Absender habe um Rücklieferung gebeten. Um welche Menge es ging, blieb zunächst unbekannt.

Der Skandal um die Wildprodukte in Passau war durch ein anderes Verfahren gegen die Berger-Geschäftsführung aufgedeckt worden. Die Staatsanwaltschaft ermittle auch wegen Betrugs im Zusammenhang mit der Beschäftigung von ausländischen Mitarbeitern bei dem Betrieb, erklärte der Pressesprecher der Landshuter Anklagebehörde, Markus Brümmer. Berger soll demnach die Sozialbeiträge für ungarische Beschäftigte nicht korrekt abgeführt haben. Diese Ermittlungen würden voraussichtlich im Februar abgeschlossen.

Bei den Untersuchungen stießen die Fahnder auf Hinweise, wonach es eklatante Produktionsmängel bei Berger geben soll. Deswegen wurden die Verbraucherschützer des Passauer Landratsamt eingeschaltet. Fleischkontrolleure hätten nach eigenen Angaben Ekel erregende Zustände festgestellt. Die Betriebsstätten seien mit Blut und tierischen Abfällen völlig verdreckt gewesen. Mehrere Proben von Berger-Fleisch seien ungenießbar gewesen, in einer Probe seien Salmonellen entdeckt worden. Seit 2003 sei Berger insgesamt elf Mal von Amtstierärzten kontrolliert worden.

Die Berger-Firmengruppe hat nicht nur mehrere Standorte im Raum Passau, sondern auch eine Tochter im österreichischen Rottenmann in der Steiermark. Dieser Betrieb bietet unter den Marken «Hochländer Wild» und «Jagdbaron - feine Wildspezialitäten» Fleisch an. Laut bayerischem Verbraucherschutzministerium gibt es allerdings keine Hinweise darauf, dass auch diese Produkte mangelhaft sind. (tso/dpa)

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