• Wind faltet den Fallschirm bei einem Schausprung zusammen - Fest der Post nach dem Unfall fortgesetzt

Welt : Wind faltet den Fallschirm bei einem Schausprung zusammen - Fest der Post nach dem Unfall fortgesetzt

Der Weltklasseturner Eberhard Gienger ist am Sonntag vor den Augen von 500 entsetzten Zuschauern bei einem Fallschirmsprung schwer verletzt worden. Der 48 Jahre alte Gienger, der im Auftrag der Post auf einem "Tag der offenen Tür" in Köngen bei Esslingen auftrat, sprang gegen 12 Uhr aus einem Sportflugzeug und wurde nach Augenzeugenberichten etwa 20 Meter über dem Boden von einer Windböe erfasst.

"Er wurde plötzlich sehr schnell, kam in kreisenden Bewegungen herunter und fiel ungebremst zu Boden", berichtete Gerold Beck, Sprecher der Deutschen Post in Baden-Württemberg.

Ein anderer Augenzeuge sagte, Giengers Fallschirm habe sich in dem Wind zusammengefaltet und dem Springer deshalb keinen Halt gegeben. Die Zuschauer seien sehr erschreckt über den Unfall gewesen, ergänzte Beck.

Gienger habe darauf bestanden, dass das Fest weitergehe: "Es war sein Wunsch", hieß es. So wurde der Turner ärztlich behandelt und später mit einem Hubschrauber in ein Stuttgarter Krankenhaus geflogen, während die Post in ihrem Paketzentrum weiter ihre Produktion vorführte und die Kinder sich auf dem Fahrradparcour tummelten, geschminkt wurden oder sich auf Rutschgeräten vergnügten.

Über die Art und Schwere seiner Verletzungen gab es am Sonntag verschiedene Darstellungen. Die Polizei sprach von lebensgefährlichen Verletzungen. Das habe das Krankenhaus bestätigt. In anderen Quellen hieß es jedoch, der Sportler habe sich lediglich schwere Knochenbrüche zugezogen, schwebe aber nicht in Lebensgefahr.

Der Turnweltmeister Gienger, der mit dem nach ihm benannten Salto am Reck Turngeschichte schrieb, gilt auch über 20 Jahre nach seinen größten sportlichen Erfolgen als Sympathieträger des deutschen Sports. Der Schwabe, am 21. Juli 1951 in Künzelsau geboren, wurde nicht zuletzt mit dem Gewinn der Reck-Weltmeisterschaft 1974 in Varna zu dem Sportler, der dem Deutschen Turner-Bund zu Glanz und Titeln verhalf. Bei den Olympischen Spielen 1976 interessierten sich die Fernsehzuschauer vor allem seinetwegen für die Turnwettkämpfe, und Gienger bewertet seine damals gewonnene Bronzemedaille höher als seinen Weltmeisterschaftstitel: "Ich habe mir die härter erkämpfen müssen."

Ehrgeiz und Perfektion treiben Gienger nach wie vor an. Er vermarktet sich mit der Gienger Promotion GmbH selbst. Das Unternehmen bietet neben der Organisation von Tagungen und Sportveranstaltungen auch sportlichen Nervenkitzel - wie in Köngen - an. Im Internet wirbt Gienger: "Für Sie springen wir auch in Ihren Vorgarten."

Dem Sport ist er auch nach seinem Rücktritt verbunden geblieben. Seit Jahren engagiert er sich für den Turnerbund, ist gern gesehener Ratgeber beim Nationalen Olympischen Komitee und beim Deutschen Sportbund.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben