• Winnenden: Nach Amoklauf - Schüler entscheiden selbst, ob sie zum Unterricht erscheinen

Winnenden : Nach Amoklauf - Schüler entscheiden selbst, ob sie zum Unterricht erscheinen

Die Schüler der Albertville-Realschule in Winnenden können freiwillig zum Unterricht gehen. Widersprüchliche Aussagen gibt es dazu, ob Tim K. in psychotherapeutischer Behandlung war.

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Kerzen vor der Albertville-Realschule in Winnenden -Foto: dpa

Winnenden Der leitende Schuldirektor beim Regierungspräsidium Stuttgart, Wolfgang Schiele, sagte am Sonntag in Winnenden, bei dem Unterricht in Gemeinde- und Sporthallen bestehe auch Gelegenheit zur Trauerarbeit.

Der 17-jährige Tim K. hatte am vergangenen Mittwoch in seiner ehemaligen Schule und auf der Flucht 15 Menschen erschossen, bevor der sich selbst richtete. Sein Motiv liegt weiter im Dunkeln. Ein möglicher Hinweis: Die Polizei fand auf dem PC des 17-Jährigen Killerspiele und Gewaltpornos. Widersprüchliche Angaben haben Eltern, Ermittler und Arzt über die Psyche des Todesschützen gemacht.

In Winnenden herrschte auch am Sonntag weiter tiefe Trauer und Entsetzen. Gläubige suchten Trost in den Kirchen, unter anderem bei einem Solidaritätsgottesdienst in Freiburg, der im ZDF übertragen wurde. Psychologen kümmerten sich weiter um Schüler, Lehrer und die Familien der Opfer.

Rätseln über das Motiv

Die politische Debatte über die Konsequenzen aus der Bluttat hielt unvermindert an, ebenso wie das Rätseln über das Motiv. Dem Magazin "Der Spiegel" zufolge hat Tim K. wenige Stunden vor dem Amoklauf Killerspiele im Internet gespielt. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigten dies nicht. Sie berichteten aber, sie hätten neben Killerspielen auch eine Menge Pornobilder von nackten und gefesselten Frauen auf dem PC des Todesschützen gefunden.

Derweil stehen widersprüchliche Aussagen dazu im Raum, ob Tim K. in psychotherapeutischer Behandlung war. Die Behörden und ein Mediziner bestätigten dies, die Eltern des Todesschützen dementieren. Die Ermittler sprachen am Samstag von mehreren Besuchen des 17-Jährigen in einer psychiatrischen Spezialklinik. Tim K. sei zwischen April und September 2008 dort "mehrmals vorstellig" geworden. Dagegen ließen die Eltern über ihren Anwalt im Magazin "Focus" erklären, ihr Sohn sei nicht psychotherapeutisch behandelt worden.

Verletzung des Arztgeheimnisses?

In der "Bild am Sonntag" erwog der Familienanwalt Achim Bächle rechtliche Schritte gegen den Leiter des Klinikums Weissenhof in Weinsberg, Matthias Michel, wegen Verletzung des Arztgeheimnisses. Michel hatte am Donnerstag im SWR gesagt: "... der spätere Täter wurde bei uns behandelt, im Jahr 2008 auf ambulanter Basis, das heißt, er hat insgesamt fünf Termine hier bei uns gehabt und zwar dem Alter entsprechend in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und in der dortigen Ambulanz."

Hintergrund der Diskussion über die Psyche von Tim K. könnten eventuelle strafrechtliche Folgen für den Vater des Täters sein. Dem Sportschützen drohen möglicherweise Ermittlungen, weil er die Tatwaffe im Schlafzimmer liegen ließ, anstatt sie sicher im Tresor zu verwahren. (mfa/dpa)

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