Winterchaos : Ersten Tankstellen geht der Sprit aus

Den ersten Tankstellen in Deutschland geht wegen des Winterwetters der Treibstoff aus. Für einige Fahrgäste der Bahn wurde die Zugfahrt zum Horrortrip.

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Nächtlicher Großeinsatz. Räumfahrzeuge der Autobahnmeisterei Emmelshausen auf der Hunsrück-Autobahn. Foto: dapd
Nächtlicher Großeinsatz. Räumfahrzeuge der Autobahnmeisterei Emmelshausen auf der Hunsrück-Autobahn. Foto: dapdFoto: dapd

Während Tief Petra unaufhörlich dicke Schneeflocken gegen die Scheibe der Fahrerkabine bläst, justiert Thomas Liesenfeld von der Autobahnmeisterei Emmelshausen an einem Hebel die Höhe des vor seinen Lastwagen montierten Schneepfluges. Der 45-Jährige beugt sich weit vor, um die Bewegung des Pfluges unter sich genau verfolgen zu können. Funken stieben, als die metallene Räumkante schließlich mit lautem Kratzen unter dem Schnee auf die eiskalte Fahrbahn der Autobahn 61 trifft. Sein Beifahrer Viktor Meissner justiert den Seitenpflug. Mit Tempo 40 fahren sie durch den Hunsrück, gemeinsam mit einem zweiten Räumfahrzeug schieben sie auf mehr als elf Metern Breite den Schnee von der Bahn, zugleich schießt das Streusalz in hohem Bogen von den Ladeflächen. Hinter ihnen, erleuchtet vom zuckenden Warnlicht, folgt die Kolonne der Autos. Fast immer versuchten Autofahrer, zwischen den versetzt fahrenden Winterdienstfahrzeugen zu überholen. Deshalb lassen die Fahrer erst gar keine Lücke entstehen. Dann schlüpft aber doch ein BMW rechts vorbei.

Es ist eine lange Nacht für die Autobahnmeistereien in Deutschland. Nicht nur für sie. Hunderte von Kilometern staute sich in der Nacht zum Freitag der Verkehr auf den Autobahnen. Lastwagen blockierten Spuren, Autos kamen nicht voran.

Den ersten Tankstellen in Deutschland geht wegen des Winterwetters der Treibstoff aus. Weil auch die Tanklastzüge auf den schneebedeckten Autobahnen und Bundesstraßen nicht mehr durchkommen, bleiben einige Lieferungen aus, wie der Mineralölwirtschaftsverband am Freitag mitteilte. Besonders betroffen seien Stationen in den Mittelgebirgen wie im Harz, Erzgebirge oder Thüringer Wald. Der Verband betonte aber, dass dies noch keine Krisensituation sei. Deutschland habe mit rund 15 000 Stationen ein sehr dichtes Tankstellennetz. Es werde ständig daran gearbeitet, die Versorgungskette nicht abreißen zu lassen. „Sollte an einer Tankstelle vorübergehend das Benzin knapp werden, könnten die Autofahrer meist auf eine andere ausweichen“, sagte Verbandssprecherin Karin Retzlaff. Einige Mineralölfirmen wie etwa Shell hätten allerdings schon von Lieferproblemen berichtet. Problem sei, dass die Tankstellen nur begrenzt Treibstoffvorräte vorhalten und daher regelmäßig beliefert werden müssen. Auch in einem großen Tanklager in Thüringen habe es schon Schwierigkeiten mit der Auslieferung gegeben.

Angesichts der Lage auf den Straßen wähnte sich mancher Fahrgast der Deutschen Bahn in Sicherheit. Aber für einige wurde die Zugfahrt zum Horrortrip. Ein Regionalexpress zwischen Hamburg und Lübeck blieb nach einem Schaden an der Oberleitung am Donnerstagabend stundenlang auf offener Strecke in der schneebedeckten Natur stehen. In der eisigen Kälte fiel die Heizung aus. Schwere Vorwürfe muss sich die Bahn gefallen lassen, weil sie in der Notfallsituation weder die Türen öffnete, noch die Zugreisenden aufklärte. Rettungskräfte und Helfer wurden nicht von der Bahn,sondern erst mit einem Notruf bei der Polizei durch eine Lehrerin von der Panne in Kenntnis gesetzt. Nachdem der Strom-Akku des Zuges aufgebraucht war, fiel auch die Beleuchtung in den Waggons aus. Vereinzelt gab es panische Angstschreie. Es wurde versucht, die Scheiben einzuschlagen. Sogar das Gerücht eines Anschlages auf den Zug machte die Runde, weil wegen des Stromausfalls keine Lautsprecherdurchsagen möglich waren. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis räumte gravierende Fehler ein. So traf beispielsweise der für solche Fälle zuständige Notfallmanager der Bahn erst nach über zwei Stunden am Ort des Geschehens ein. Laut Meyer-Lovis wurden die Türen nicht geöffnet, weil auf dem Gegengleis immer noch Züge vorbeirauschten. Als die Bundespolizei und Rettungskräfte eintrafen und die Lage überblickten, wurde Großalarm ausgelöst. Feuerwehren bargen zunächst 150 Reisende, die sich in schlechtem Zustand befanden. Die übrigen Reisenden blieben im ausgekühlten Zug, der nach mehreren Stunden mit einer Diesellok in den nächsten Bahnhof gezogen wurde. mit dapd/dpa

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