Wintereinbruch in Amerika : Selbst die Kanadier frieren

Ein Schneesturm verwandelt den Nordosten des amerikanischen Kontinents in eine Winterlandschaft – Schulen und Behörden in vielen Teilen Kanadas und den USA sind geschlossen. Viele Menschen freuen sich aber und gehen im Schnee spazieren.

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Frauen auf dem Times Square freuen sich über die Schneeflocken.
Frauen auf dem Times Square freuen sich über die Schneeflocken.Foto: AFP

Weite Teile Kanadas und die nordöstlichen Staaten der USA liegen unter einer Schneedecke. Bei Temperaturen von bis zu minus 42 Grad in Quebec frieren selbst kältegewohnte Kanadier. In den USA leben rund 100 Millionen Menschen auf dem Weg eines Schneesturms, der von Kanada über den mittleren Westen und New York an den Atlantik zog. Tausende Flüge mussten gestrichen werden, mehrere hundert allein auf Bostons Logan Airport.

Gefürchtetes „whiteout“: Viele Menschen verlieren die Orientierung

Die Gouverneure der US-Bundesstaaten New York und New Jersey riefen bereits am Donnerstagnachmittag den Notstand aus, als die Schneestürme über die Region hinwegfegten. In Massachusetts blieben am Freitag die Behörden geschlossen und die Nationalgarde wurde in Alarmbereitschaft versetzt, auch wegen möglicher Flutwellen an der Küste. In Boston wurden 53 Zentimeter Schnee gemessen. Für Cape Cod, New Yorks Long Island und Gebiete um Boston gab der nationale Wetterdienst eine Blizzardwarnung heraus. Mehrere wichtige Verbindungsstraßen wurden vorübergehend gesperrt. Blizzards, die Schneestürme, sind wegen ihrer eisigen Kälte, aber auch wegen des „whiteout“ gefürchtet: Im Blizzard verlieren Menschen völlig die Orientierung, weil sie nichts mehr sehen und Schnee, Luft und Himmel nicht mehr unterscheiden können. Sie können wenige Meter von schützenden Autos oder Häusern entfernt erfrieren.

Am Donnerstag strichen US-Fluggesellschaften mehr als 2300 Flüge, am Freitagmorgen waren nach Angaben der „Washington Post“ bereits rund 1500 Flüge abgesagt. Für Menschen, die nach den Feiertagen nach Hause zurückkehren wollten, wurde die Reise zu einem Albtraum.

Viele Menschen aber freuten sich. In den Straßen Manhattans gingen die Menschen gut gelaunt und dick angezogen spazieren und genossen die Schneeflocken. Auch in anderen Städten hatten die Leute Spaß. „Was für ein Neujahrsgeschenk, ein letzter Schneesturm in meiner Amtszeit als Bürgermeister“, sagte Bostons Bürgermeister Thomas Menino, der an diesem Wochenende aus dem Amt ausscheidet. Umgekehrt startete Bill de Blasio seine Zeit als Bürgermeister von New York mit einer ersten großen Herausforderung. Er war am Neujahrstag als Nachfolger von Michael Bloomberg Bürgermeister New Yorks geworden. De Blasio ordnete den Einsatz aller verfügbaren Schneeräumgeräte und Salzstreumaschinen an. „Wir sind wie ein Laser darauf fokussiert, diese Stadt zu beschützen“, erklärte er. Die Schulen blieben geschlossen. „Lassen Sie Ihr Auto stehen. Wenn Sie nicht nach draußen müssen, gehen Sie bitte auch nicht raus“, sagte de Blasio.

Der Broadway ist überfüllt mit Menschen, die im Schnee spazieren gehen.
Der Broadway ist überfüllt mit Menschen, die im Schnee spazieren gehen.Foto: AFP

Temperaturen in Kanadas Hauptstadt niedriger als am Südpol

In einem Vorort Philadelphias kam ein Arbeiter ums Leben, als eine Mauer aus Säcken mit Streusalz umstürzte und ihn unter sich begrub. In Boston und New York blieben Unterkünfte für Obdachlose geöffnet und Mitarbeiter der Sozialdienste gingen durch die Straßen, um Obdachlose dazu zu bewegen, Schutz vor Schnee und Kälte zu suchen.

In Kanada hatte bereits seit den Weihnachtstagen der Winter ein eisiges Regime beschert. Teile Nova Scotias, New Brunswicks und Neufundlands versanken im Schnee. Zudem stand die ganze Atlantikregion unter Blizzard-Alarm. In Kanadas Hauptstadt Ottawa begann der Freitag mit Außentemperaturen knapp unter 30 Grad. In Toronto, Montreal, Quebec und Winnipeg wurden in den vergangenen Tagen Temperaturen um minus 40 Grad gemessen. Der Wetterdienst des kanadischen Umweltministeriums gab für Ontario, Quebec und die Atlantikprovinzen eine Warnung heraus. „Bitterkalte arktische Luft“ in Verbindung mit dem Wind führe zu Temperaturen zwischen minus 30 und 40 Grad. „Bei diesen extremen Windchill-Werten kann es in weniger als zehn Minuten auf ungeschützter Haut zu Erfrierungen kommen.“

Meteorologen zogen Vergleiche zwischen Ottawa und einigen abgelegeneren Orten: Die Temperaturen in Kanadas Hauptstadt seien niedriger als am Südpol – wo zurzeit allerdings Sommer ist – und sogar etwas niedriger als an einigen Stellen auf dem Mars.

In Deutschland ist dagegen weiterhin kein Winterwetter abzusehen. „Anne“, „Balda“ und „Christina“ bringen weiterhin milde Luft mit Regen nach Deutschland. Höchstens auf den Bergen gibt es ein paar Schneeflocken und vielleicht auch stellenweise ein bisschen Frost. Richtiger Winter ist nicht in Sicht: „Eine so lange Dauer der milden Periode, die seit Mitte Dezember anhält und deren Ende nicht abzusehen ist, ist wirklich eine Rarität“, sagte Christoph Hartmann vom Deutschen Wetterdienst. (mit dpa)

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