Winterwetter : "Daisy" legt Norddeutschland lahm

Eingeschneite Autofahrer, meterhohe Schneeverwehungen, Sturmfluten an den Küsten - das Tief "Daisy" hat am Sonntag doch noch zu einem erheblichen Verkehrschaos und zu zahlreichen gefährlichen Situationen geführt.

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Unfall Foto: dpa
Feuerwehrleute sichern an der Autobahn 1 bei Reinfeld einen Unfallwagen. -Foto: dpa

BerlinAm Vortag hatte es noch so ausgesehen, als ob Deutschland glimpflicher davonkäme, als es zuvor vom Deutschen Wetterdienst und vom Bundesamt für Katastrophenhilfe angekündigt worden war.

Das Sturmtief schlug am Sonntag vor allem in Norddeutschland zu. In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sahen sich Autofahrer von einem Moment auf den anderen plötzlich von riesigen Schneemassen umgeben. Viele wurden regelrecht zugeweht und mussten warten, bis Räumkommandos sie freischaufelten. Hunderte von Menschen waren zeitweilig zugeschneit. Manche mussten eine ganze Nacht frierend im Auto verbringen, nicht wissend, ob und wann sie gerettet werden würden. Manche ließen ihre Autos zurück und schlugen sich zu Fuß bis zu den nächsten Dörfern durch. Viele dieser Dörfer sind selber von der Außenwelt vollkommen abgeschnitten. Meereswogen gleich hatten sich gewaltige Schneemassen über das Land gelegt. Starke Winde hatten den staubtrockenen Schnee durch die Luft getragen und das Land unter einer weißen Decke begraben. Das Sturmtief beschert allen Schülern in Mecklenburg-Vorpommern und Teilen Schleswig-Holsteins an diesem Montag einen schulfreien Tag.

Daisy
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09.01.2010 15:1211.01.2010: Tief "Daisy" hat die Schneedecke in Deutschland teilweise deutlich anwachsen lassen. Nicht nur in den Alpen und den...


An der Ostsee brandeten Sturmfluten gegen die Küste. Zahlreiche Dämme sind gefährdet, Lübecks Altstadt steht unter Wasser.

Glimpflich kam Berlin davon. Nur im Fernverkehr der Bahn wirkte sich das Schneechaos im übrigen Deutschland aus. Züge hatten auch im Berlin-Verkehr Verspätungen bis zu zwei Stunden; einige Verbindungen fielen auch aus. Probleme gab es zudem im Regionalverkehr. Bei Anklam war ein Zug in den Schneewehen stecken geblieben; die Strecke Berlin-Stralsund musste deshalb gesperrt werden. Vor allem durch defekte Weichen gab es auch bei der S-Bahn zum Teil erhebliche Verspätungen. Kurzfristig hat die S-Bahn zudem das Angebot auf zwei Linien weiter eingeschränkt, weil Fahrzeuge fehlen. Angaben zum für Montag geplanten Fahrplan gab es bis Redaktionsschluss nicht. Im Flugverkehr fiel dagegen am Wochenende in Berlin kein Flug witterungsbedingt aus. Vorsorglich waren aber mehrere Verbindungen nach Frankfurt (Main) und München gestrichen worden. Befahrbar blieben auch die Hauptstraßen in der Stadt. Bei Bedarf wollte die Stadtreinigung auch am Montag von 3 Uhr an wieder mit allen Kräften unterwegs sein. Vorrang haben dann wieder die Hauptstraßen.

"Daisy" ist derzeit nicht die einzige Wetter-Herausforderung. Die ganze Nordhalbkugel scheint zu gefrieren. Verkehrschaos, Stromausfälle und Unfälle plagen viele Europäer, Amerikaner, Chinesen und Inder. Seit dem Beginn des ungewöhnlich heftigen Wintereinbruchs stieg die Zahl der Kälte-Toten europaweit auf mehr als 100. Allein in Großbritannien, das unter dem härtesten Winter seit mehr als drei Jahrzehnten stöhnt, kletterte die Opferbilanz auf mindestens 26 Tote. Im Süden Polens mussten mehr als 80.000 Menschen in Schlesien seit Samstag ohne Strom auskommen, weil Strommasten unter der Schneelast nachgaben. Im niederländischen Bollenstreek, der Blumenzuchtregion zwischen Haarlem und Leiden, brach wegen eines defekten Hochspannungsmastes ebenfalls die Stromversorgung zusammen. 100.000 Haushalte saßen Samstagabend vier Stunden lang im Dunkeln. In weiten Teilen Tschechiens wurde der Verkehrsnotstand ausgerufen.

Ein ungewohntes winterliches Bild überraschte am Sonntag die Bewohner der italienischen Hafenstadt Neapel: Ihr berühmter Hausberg, der 1281 Meter hohe Vesuv, präsentierte sich am Morgen fast völlig schneebedeckt. Die weiße Pracht bedeckte nicht nur den Gipfel des Kegels, sondern einen Großteil des Vulkans am Golf von Neapel.

Kältewelle auch in Indien: Insgesamt 239 Menschen fielen nach Medienberichten im Norden und Osten des Landes eisigen Temperaturen zum Opfer. Allein im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh wurden in der Nacht zu Sonntag 15 Kälte-Tote gezählt, berichtete der Sender. Die meisten Opfer seien Alte oder Bedürftige.

In Mexiko kamen wegen der andauernden Kälte bis zum Wochenende neun Menschen ums Leben, die meisten davon in den nördlichen Bundesstaaten. In den benachbarten USA hat die Kältewelle am Samstag für eine Seltenheit gesorgt: Schnee in Florida. In dem Bundesstaat, der sonst in den Wintermonaten wegen seines Badewetters beliebt bei Urlaubern und vor allem älteren Menschen ist, fielen dicke Flocken. "Das ist äußerst ungewöhnlich", sagte ein Sprecher des Nationalen Wetterdienstes am Sonntag. mit dpa 

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