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Winterwetter : Deutschland bleibt im Schnee stecken

Heftige Schneefälle in der Nacht behindern weiterhin deutschlandweit den Verkehr. Viele Züge fahren nur verspätet, auf den meisten NRW-Autobahnen herrscht LKW-Verbot. Besonders anfällig ist momentan der Flugverkehr. Immer wieder fallen Flüge aus. Passagiere sitzen fest.

Überall in Deutschland werden Flüge gestrichen.
Überall in Deutschland werden Flüge gestrichen.Foto: dapd

Wer momentan in Deutschland auf Reisen ist, muss sich unter Umständen in Geduld üben. Viele Straßen sind eingeschneit, Zug- und Flugverkehr bundesweit eingeschränkt. Auch der Flugverkehr der beiden Berliner Flughäfen war erneut beeinträchtigt. Es gab in Tegel mehr als zehn Flugstreichungen, in Schönefeld verlief der Verkehr dagegen nahezu normal.

Mit weitaus mehr Problemen hat Deutschlands größtes Luftdrehkreuz Frankfurt/Main zu kämpfen. Dort ist nach einem turbulenten Wochenende nur wenig Besserung in Sicht. Es seien bereits 315 Flüge
über den Tag verteilt von den 1325 für Montag geplanten Starts und Landungen gestrichen worden - also ein gutes Fünftel. Das berichtete der Flughafenbetreiber Fraport. Betroffen seien vor allem Strecken innerhalb Deutschlands und Europas. Am Sonntag hatten die Fluggesellschaften bis zum Abend erst knapp die Hälfte der geplanten Flüge abgewickelt. Über Nacht mussten etwa 800 Passagiere in Feldbetten schlafen - einige von ihnen zum dritten Mal in Folge.

Auch in den kommenden Tagen müsse mit Verspätungen und Flugausfällen gerechnet werden, sagte ein Sprecher. Die Start- und Landebahnen am Frankfurter Flughafen seien am Montagmorgen zwar schnee- und eisfrei gewesen. Jetzt taue der Schnee aber, und es bilde sich Glätte, sagte eine Sprecherin. Der Streudienst sei im Einsatz. Für den weiteren Tagesverlauf seien in Frankfurt erneut ein bis drei Zentimeter Neuschnee angekündigt. Von einer Entspannung auf dem Flughafen könne deshalb noch lange keine Rede sein. Außerdem gebe es durch die massiven Ausfälle an anderen europäischen Airports wie London oder Paris weiter Flugstreichungen.

Auch am Hamburger Flughafen sind am Montag alle Lufthansa-Flüge in Richtung Frankfurt gestrichen worden. Auch einige Maschinen nach London und Paris konnten nicht starten. An diesen Zielen sorgen Schnee und Eis weiterhin für Behinderungen und Ausfälle. „Von uns aus könnte alles gehen“, sagte eine Sprecherin des Hamburger Flughafens. Der alltägliche Betrieb laufe normal: „Wir haben keine langen Schlangen an den Terminals.“

Am Düsseldorfer Flughafen normalisierte sich die Lage. „Es ist hier recht entspannt“, sagte eine Sprecherin am Morgen. Am Sonntag hatten wegen des winterlichen Wetters noch Dutzende Verbindungen gestrichen werden müssen. Nun sei Besserung in Sicht: „Nur einzelne Flüge, die gestern nicht reingekommen waren, werden ausfallen, weil jetzt die Rotation fehlt“, sagte die Sprecherin.

Überfüllte Züge bei der Bahn

Probleme hatte erneut auch die Deutsche Bahn im Regional- und Fernverkehr. Die meisten Zug-Verspätungen lagen am Morgen allerdings unter 30 Minuten. Noch am Sonntag hatte die Bahn Reisende wegen der chaotischen Wetterzustände gebeten, die Züge wegen Überfüllung nicht zu nutzen. In Berlin traf es am Montag erneut die S-Bahn: Technische Probleme mit zugefrorenen Sandstreuanlagen führten auf allen Linien zu Verspätungen - teilweise verkehrten die Bahnen im einsetzenden Berufsverkehr mit weniger Waggons nur im 20-Minuten-Takt.

LKW-Verbot in NRW

Mit einem flächendeckenden Autobahn-Verbot für Lastwagen versucht Nordrhein-Westfalen ein winterliches Verkehrschaos abzuwenden. Die Behörden in dem bevölkerungsreichsten Bundesland mit seinen vielen wichtigen Verkehrsknoten verbannten in der Nacht zum Montag alle Lkw jenseits der 7,5 Tonnen von den Autobahnen. Damit stand die Berufskraftfahrt in NRW just zum Wochenanfang nahezu still. Auch im übrigen Bundesgebiet hielten die Verkehrsprobleme meist an.

Trotz des landesweiten Fahrverbots verursachten mehrere Lastwagen auf den Autobahnen Unfälle. Das Autobahnverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen wurde inzwischen für die Bezirke Münster und Detmold aufgehoben. Die Polizei warnte jedoch vor Blitzeis auf den Straßen. Für Köln, Aachen und Düsseldorf hatte der Deutsche Wetterdienst DWD am Sonntagabend Schneedecken jenseits der 20 Zentimetermarke gemeldet.

Winter in Deutschland
Winterwetter wechselt sich immer wieder mit Tauwetter ab. Doch Der Winter steht aber schon wieder in den Startlöchern.Weitere Bilder anzeigen
1 von 192Foto: dpa
08.03.2013 17:00Winterwetter wechselt sich immer wieder mit Tauwetter ab. Doch Der Winter steht aber schon wieder in den Startlöchern.

Die Polizeidienststellen in NRW berichteten, dass die umfangreiche Sperrung den Lkw-Verkehr in dem bevölkerungsreichsten Bundesland nahezu zum Erliegen gebracht habe. Die meisten Fahrer hätten für die Nacht Rastplätze angesteuert und harrten nun der Dinge. Nur äußerst selten hätten Kraftfahrer versucht, über Landstraßen weiterzukommen. „Die Lage ist relativ entspannt“, sagte ein Sprecher in Düsseldorf. Grund für das Fahrverbot sei vor allem der Schnee und weniger die Glätte. So berichtete die Polizei am Montagmorgen, dass etwa auf der Autobahn 2 nahe Dortmund nur noch eine Spur befahrbar war. Wann die Räumdienste für freie Fahrt sorgen könnten, sei noch nicht absehbar.

Behinderungen in Brandenburg und Sachsen erwartet

Berliner Winterchaos
Pfui Pfütze. Das Schnee-Silvesterböllergemisch taut in diesen warmen Tagen, zurück bleiben Splitt und Müll – und große Wassermengen wie hier vor dem Reichstag.Weitere Bilder anzeigen
1 von 73Foto: Guenter Peters
10.01.2011 14:01Pfui Pfütze. Das Schnee-Silvesterböllergemisch taut in diesen warmen Tagen, zurück bleiben Splitt und Müll – und große...

Warten hieß es auch für alle Lkw-Fahrer, die mit einem Gefährt von mehr als 7,5 Tonnen nach Luxemburg oder Frankreich wollten. Nach Auskunft der Polizei Trier erließen die Behörden der Nachbarländer ein ähnliches Autobahn-Fahrverbot wie in Nordrhein-Westfalen. So wurden etwa auf der Autobahn 64 in Rheinland-Pfalz und auf der Autobahn 8 im Saarland die Lastwagen kurz vor der Grenze heruntergeleitet. Auch dort habe der Großteil der Fahrer Rastplätze angesteuert und sei nicht über Landstraßen weitergefahren.

Für die Mittelgebirge warnten die Meteorologen vor starkem Schneefall und heftigen Schneeverwehungen. Besonders im Norden bleibe es zunächst eisig kalt, weiter Richtung Süden sei aber auch Tauwetter möglich. Neuer Schnee könne im Laufe des Vormittags besonders in Brandenburg und Sachsen zu neuen Behinderungen führen.

Die Leserbilder: Berliner Wintereindrücke
Offenbar keine Probleme mit kalten Füßen hat dieses Huhn, fotografiert von Ralpf Hinterkeuser. Schicken auch Sie uns Ihre Fotos des Berliner Winters an leserbilder@tagesspiegel.de.Weitere Bilder anzeigen
1 von 273Foto: Ralph Hinterkeuser
21.01.2011 10:35Offenbar keine Probleme mit kalten Füßen hat dieses Huhn, fotografiert von Ralpf Hinterkeuser. Schicken auch Sie uns Ihre Fotos...

Behinderungen auch in Frankreich, Belgien und England

Wegen heftiger Schneefälle im Großraum Paris wurde der Flughafen Orly vorübergehend geschlossen. Lastwagen durften in der Region nicht mehr fahren. Erheblich beeinträchtigt war auch wieder der Bahn- und Busverkehr. Die Paris, London und Brüssel verbindenden Hochgeschwindigkeitszüge Eurostar und Thalys konnten nur mit reduzierter Geschwindigkeit fahren, so dass es am Morgen Verspätungen von bis zu einer knappen Stunde gab.

In Belgien waren die Straßen vorerst bis 10:00 Uhr für schwere Lastwagen gesperrt.

Nach eineinhalb Tagen Sperrung lief der Flugbetrieb an Europas größtem Flughafen London-Heathrow am Montag wieder an. Der Flughafenbetreiber BAA warnte jedoch wegen des Schnees weiterhin vor Flugausfällen und Verspätungen. (dpa/dapd/AFP)

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