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Winterwetter in Deutschland : In einigen Gegenden wird der Treibstoff knapp

Neben Staus und Unfällen hat das Winterwetter in Deutschland auch noch eine weitere Folge. Einigen Tankstellen geht der Treibstoff aus.

Winterwetter wechselt sich immer wieder mit Tauwetter ab. Doch Der Winter steht aber schon wieder in den Startlöchern.Weitere Bilder anzeigen
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08.03.2013 17:00Winterwetter wechselt sich immer wieder mit Tauwetter ab. Doch Der Winter steht aber schon wieder in den Startlöchern.

Den ersten Tankstellen in Deutschland geht wegen des Winterwetters der Treibstoff aus. Weil auch die Tanklastzüge auf den schneebedeckten Autobahnen und Bundesstraßen nicht mehr durchkommen, bleiben einige Lieferungen aus, wie der Mineralölwirtschaftsverband am Freitag mitteilte.

Besonders betroffen seien Stationen in den Mittelgebirgen wie im Harz, Erzgebirge oder Thüringer Wald. Der Verband betonte aber, dass dies noch keine Krisensituation sei. Deutschland habe mit rund 15 000 Stationen ein sehr dichtes Tankstellennetz. Es werde ständig daran gearbeitet, die Versorgungskette nicht abreißen zu lassen.

„Sollte an einer Tankstelle vorübergehend das Benzin knapp werden, könnten die Autofahrer meist auf eine andere ausweichen“, sagte Verbandssprecherin Karin Retzlaff. Einige Mineralölfirmen wie etwa Shell hätten allerdings schon von Lieferproblemen berichtet.

Problem sei, dass die Tankstellen nur begrenzt Treibstoffvorräte vorhalten und daher regelmäßig beliefert werden müssen. Nach Angaben des Verbandes hatte es wegen der Straßenbedingungen auch in einem großen Tanklager in Thüringen schon Schwierigkeiten mit der Auslieferung gegeben.
Auch im Süden Niedersachsens berichtete die Polizei davon, dass Tanklastwagen die Tankstellen nur schwer erreichen könnten. Bei Sichtweiten unter 50 Metern oder Glätte müssen Gefahrgut-Transporter den nächsten Parkplatz anfahren. In Göttingen wurden demnach Superbenzin und Diesel schon zur Mangelware.

Vor allem Brummi-Fahrer leiden

Reichlich Schnee und eisglatte Straßen haben vor allem Lastwagen gestoppt und kilometerlange Staus auf den Autobahnen verursacht. In Nordrhein-Westfalen verordneten die Behörden am Donnerstagabend für Lastwagen über 7,5 Tonnen ein landesweites Fahrverbot, das erst nach neun Stunden wieder aufgehoben wurde. Zuvor war der Verkehr teilweise zum Erliegen gekommen. Zahlreiche Brummis blieben stecken oder stellten sich quer. Streu- und Räumfahrzeuge kamen oft nicht mehr durch.

Autofahrer mussten in weiten Teilen Deutschlands ebenfalls starke Nerven haben: Sie steckten stundenlang im Schneestau fest. Geduld war auch von Fluggästen gefragt. Sturmtief „Petra“ zog inzwischen über Deutschland hinweg, der Deutsche Wetterdienst hob am Freitag alle Unwetterwarnungen auf. In Bayern starben bei Autounfällen auf glatten Straßen am Donnerstagabend drei Menschen. Bei Leipzig krachte ein Autofahrer in einen querstehenden Lastwagen und starb.

Panik brach unter den Fahrgästen eines Zugs zwischen Hamburg und Lübeck aus. Der Regionalexpress mit etwa 400 Passagieren war ohne Strom auf offener Strecke in der Dunkelheit stecken geblieben. Ein Sprecher der Bahn bestätigte am Freitag einen entsprechenden NDR- Bericht zu dem Vorfall am Donnerstag zwischen 16.33 bis 20.33 Uhr. Wegen des Rückstaus waren 38 Züge von dem Stromausfall an der Strecke Hamburg Lübeck betroffen. Tausende saßen an Bahnhöfen in der Kälte fest. Mittlerweile läuft der Verkehr wieder normal.

Fluggäste müssen sich informieren

Auch viele Flugpläne gerieten durcheinander: Während am Donnerstag noch 220 von rund 1400 Flügen gestrichen wurden, fielen am Freitag nach Angaben des Frankfurter Flughafenbetreibers rund 100 Flüge aus - die Mehrzahl davon Maschinen, die wegen Problemen anderswo nicht kommen konnten. Am Flughafen Stuttgart fielen bis zum Morgen allein 20 Flüge aus, sagte eine Sprecherin. Am Düsseldorfer Flughafen wurden am Freitag ebenfalls 20 Flüge gestrichen. Am Donnerstagabend hatte Deutschlands drittgrößter Flughafen wegen der heftigen Schneefälle für zwei Stunden gesperrt werden müssen.

In Nordrhein-Westfalen war besonders die A1 betroffen, teilte die Landesleitstelle mit. Sie sei wegen liegengebliebener Lastwagen zwischen Volmarstein und Gevelsberg sowie bei Wuppertal gesperrt.
Auch die A3 im Kreuz Breitscheid wurde von der Polizei voll gesperrt.

Dort stauten sich die Fahrzeuge am Freitagmorgen auf einer Länge von zehn Kilometern. Auf der A3 zwischen Leverkusen und Oberhausen ging zeitweise auf 40 Kilometern nichts mehr. Technisches Hilfswerk und Rettungsdienste versorgten die Menschen mit Decken und heißem Tee.

Auch in Luxemburg, Belgien und Teilen Frankreichs hatten die Behörden für Lastwagen über 7,5 Tonnen ein Fahrverbot verhängt, wie das Polizeipräsidium Trier mitteilte. 200 bis 300 Lastwagenfahrer verbrachten die Nacht zum Freitag daraufhin auf dem Standstreifen der Autobahn 64 bei Trier. Eine Falschmeldung im Rundfunk, nach der die Strecke wieder freigegeben sei, verursachte am Morgen weiteres Chaos. Denn tatsächlich gab es in Luxemburg zunächst nur für den Laster-Verkehr in Richtung Deutschland wieder freie Fahrt.

Vollsperrung auf der A5

Die A5 bei Ettlingen (Baden-Württemberg) wurde nach einem Unfall mit drei Lastwagen und einem Auto mehrere Stunden voll gesperrt. Ein rumänischer Sattelschlepper rutschte auf der A4 in die Leitplanke und riss sich den Tank auf, 300 Liter Diesel liefen aus. Auf der A7 von Kassel nach Würzburg floss der Verkehr am Freitagmorgen wieder. Am Vorabend hatte das noch anders ausgesehen: In Hessen waren sogar Streudienste auf den Autobahnen liegen geblieben. In Frankfurt schliefen so viele Menschen im Stau in ihren Autos ein, dass die Polizei sie wecken musste, damit es weitergehen konnte.

Mehrere Unfälle mit Lastwagen bei Frost und Schneeglätte gab es auch in Mecklenburg-Vorpommern. Die A24 Hamburg-Berlin bei Neustadt- Glewe und A20 Lübeck-Stettin vor Kröpelin wurden daraufhin gesperrt, wie die Autobahnpolizei mitteilte. Die A 24 sei sogar in beiden Richtungen gesperrt, weil in Nordbrandenburg ebenfalls ein Lastwagen verunglückte und die Spur nach Hamburg blockierte.

Staus und Blitzeis machten auch in Sachsen-Anhalt Probleme. Auf der A2 Richtung Hannover verursachte ein liegengebliebener Schwerlasttransporter kilometerlange Staus bis zur niedersächsischen Landesgrenze. „30 bis 40 Kilometer lange Schlangen waren da keine Seltenheit“, sagte ein Polizeisprecher in Magdeburg.

In Schleswig-Holstein kam es auf der A7 am Donnerstagabend zu zwei Unfällen, die kilometerlange Staus verursachten. Nach Angaben der Polizei in Kiel war die A7 bis in die frühen Morgenstunden aufgrund von Bergungsarbeiten gesperrt. Ein Lastwagen war umgekippt und versperrte alle Fahrspuren in Richtung Hamburg. In Bremen waren die Autobahnen besonders glatt, weil die Streudienste am späten Abend eine Pause eingelegt hatten.

In den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern fiel am Freitag der Unterricht aus. Auch in einigen Landkreisen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein konnten die Kinder zu Hause bleiben genau wie tausende Schüler in Ostthüringen. (dpa)

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