Welt : „Wir haben keine Lynchjustiz hier“

Bewohner im nordfriesischen Leck wollen einen Sexualstraftäter vertreiben.

Polizisten nehmen in Leck einen gewalttätigen Demonstranten fest. Foto: dpa
Polizisten nehmen in Leck einen gewalttätigen Demonstranten fest. Foto: dpaFoto: dpa

Leck - Aufkleber an mehreren Laternenmasten in einer Straße im nordfriesischen Leck sind deutlich: „Lasst ihnen ihr Lächeln“ und gleich darunter: „Todesstrafe für Kinderschänder“. Das sollen auch die 50 Menschen gerufen haben, die hier am Samstag gegen einen verurteilten Sexualstraftäter demonstriert haben. Einige von ihnen hatten versucht, gewaltsam in die Wohnung des 18-Jährigen einzudringen. Die Polizei brachte den Mann an einen anderen Ort. Ob er bereits zurückgekehrt ist, wollte Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt von der Flensburger Staatsanwaltschaft am Montag nicht sagen. Für einen Pizzeria-Inhaber in der Straße wäre das ein Grund, Angst zu haben. Wenn der 18-Jährige weiter in der Nachbarschaft wohnen bleibe, fürchte er um seine schulpflichtige Tochter, sagt der Mann. Man wolle aber auch dem 18-Jährigen nichts tun, nur fortziehen solle er von hier, wo so viele Kinder spielen und ein Kindergarten in der Nähe ist.

Über die weitere Unterbringung will auch das Jugendgericht mit dem Mann und seinem Bewährungshelfer sprechen. An seine Auflagen habe sich der Ende Januar verurteilte 18-Jährige gehalten, sagt Stahlmann-Liebelt. Er muss eine Sexualtherapie machen, ein Bewährungshelfer steht ihm zur Seite. Der 18-Jährige war noch als Minderjähriger wegen sexuellen Missbrauchs eines Mädchens zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. In seine jetzige Wohnung soll er vor kurzem gezogen sein. Eine Mutter soll Flugblätter aufgehängt haben, nachdem der 18-Jährige Kontakt zu einer 13-Jährigen aufgenommen und ihr in seiner Wohnung Alkohol zu trinken gegeben haben soll. Zu der Demonstration hatten Bürger über das soziale Netzwerk Facebook aufgerufen. „Wir haben keine Lynchjustiz hier“, betont eine ältere Anwohnerin. Die Wohnung des Mannes zu stürmen, „so was tut nicht nötig“. Zur Demo wäre sie aber auch gegangen, hätte sie davon gewusst. „Man hat ja Enkelkinder.“ Die erste stellvertretende Bürgermeisterin von Leck, Ingrid Marcussen-Kressin, zeigt sich „sehr erschüttert“ von den Ereignissen. „Ich kann die Ängste der Eltern so gut verstehen“, sagt sie. Aber diese sollten auch Vertrauen in die Polizei haben. Auf die Frage, ob der Vorfall dem Ort schade, sagt Marcussen-Kressin: „Das kann sein. Wir sind nicht froh, im Fokus zu stehen.“ Die Gemeinde wolle aber nichts unter den Teppich kehren. „Wir wollen noch mal eine Demo machen“, sagt der Pizzeria-Inhaber. So lange der 18-Jährige dort wohnen bleibe, werde es keine Ruhe geben. dpa

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