Welt : „Wir sind einfach total kaputt“

Ständig drehende Winde jagen die Feuerwehrleute in Kalifornien von einem Ort zum nächsten

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Los Angeles (dpa). Nach sechs Tagen an der Feuerfront im kalifornischen San Bernardino fällt Mike Bilheimer das Sprechen schwer. „Ich huste nur noch, die Augen brennen die ganze Zeit. Wir sind einfach total kaputt“, sagt der Feuerwehrmann aus Los Angeles während einer kurzen Verschnaufpause. Das vielleicht schlimmste Flammeninferno in der Geschichte Kaliforniens hat der 31Jährige bis jetzt ohne Verletzung überstanden. Aber wie fast jeder seiner Kollegen hat er einen „Close-Call“ erlebt, eine Situation, in der er nur knapp dem Tod entrinnen konnte.

„Erst war kein Feuer zu sehen, und Sekunden später waren wir von Flammen umzingelt“, erzählt Bilheimer. „Das Feuer zog über unser Fahrzeug hinweg. Von beiden Seiten kamen die Flammen. Wir wussten nicht, ob wir hier heil rauskommen würden.“ Ein 38 Jahre alter Feuerwehrmann aus Nordkalifornien kam auf ähnliche Weise am Mittwoch ums Leben. Ein weiterer Helfer wurde schwer verletzt, zwei Männer leicht, als die Flammen des Cedar-Feuers bei San Diego ihren Löschzug einschlossen. „Ich bin eigentlich überrascht, dass es nicht schon mehr Tote unter den Helfern gibt“, meint Bilheimer. Immerhin sind über 14 000 Feuerwehrleute bei zehn verheerenden Großbränden im Einsatz. Winde, die ständig die Richtung wechseln, jagen die Helfer von einem Ort zum nächsten. Das Todesrisiko gehe man als Feuerwehrmann eben ein, sagt der „Firefighter“ nüchtern.

Im letzten Sommer, als vor allem in Colorado und Kalifornien schwere Brände wüteten, kamen in den USA 20 Feuerwehrleute ums Leben – die meisten bei Flugzeug- und Autounfällen auf dem Weg zum Brandherd. Nach amtlichen Statistiken machen Unfälle über 40 Prozent der Todesursachen aus, gefolgt von „Burnovers“, bei denen die Helfer im Inferno eingeschlossen werden. Herzinfarkte folgen an dritter Stelle.

Selbst der Action-Star und noch nicht vereidigte Gouverneur Kaliforniens, Arnold Schwarzenegger, verfällt bei so viel Heldentum in Bewunderung: „Ich spiele Helden in meinen Filmen, aber ihr seid wirklich die wahren Helden.“ Nach einem Rundflug über zerstörte Gebiete in San Bernardino lobte er die Löschteams „für ihren Mut und ihre Stärke“. Insgesamt haben kühlere Temperaturen und leichter Regen den Helfern eine leichte Atempause verschafft. Lediglich eine Brandfront östlich von Los Angeles ist nach Angaben eines Feuerwehrsprechers vom Donnerstag noch außer Kontrolle.

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