Welt : Wird Schuhbeck bald Eintopf in Blechnäpfe füllen?

ROLF LINKENHEIL

Der berühmte Starkoch soll Prominente in betrügerische Spekulationsgeschäfte verwickelt habenVON ROLF LINKENHEIL MÜNCHEN.Im Waginger "Kurhausstüberl" am See, einem vom Michelin-Führer mit einem Stern veredelten Feinschmecker-Tempel in der Nähe der oberbayerischen Kreisstadt Traunstein, scheint sich der Chef die Finger verbrannt zu haben.Wenn die Vorwürfe, die ein Münchner Anwalt und ein Privatdetektiv gegen ihn erheben, nicht wie Hechtauflauf zusammenfallen, dann könnte es durchaus geschehen, daß der Starkoch Alfons Schuhbeck, dessen Gesicht die ganze Republik von der Mattscheibe her ebenso kennt wie über die Etiketten von Leberwurstdosen, für eine Weile nicht mehr die delikaten Sößchen im Gourmet-Restaurant abschmeckt, sondern in der Gefängisküche den Eintopf umrührt. Schuhbeck soll in betrügerische Spekulationsgeschäfte verwickelt sein und eine Reihe der Reichen, die zuvor seine Kochkunst genossen, um etliche Millionen erleichtert haben.Sicher ist vorerst nur: Die Staatsanwaltschaft München hat mehrere Anzeigen gegen den Mann mit der feinen Zunge vorliegen.Die Ermittlungen laufen.Schuhbeck soll von Bekannten hohe Summen kassiert haben mit dem Versprechen, sie gewinnbringend anzulegen.Von 50 Prozent Rendite soll die Rede gewesen sein. Am gründlichsten ausgenommen fühlt sich ein als Privatier das Leben am Starnberger See genießender ehemaliger Großindustrieller.Er hat bereits 1994 einen Vollstreckungsbefehl über insgesamt 21 Millionen erwirkt.Immer wieder vertraute er dem Meisterkoch hohe Summen zur Anlage an, sah aber kaum Gewinnausschüttungen.Zu seiner Beruhigung soll ihm Schuhbeck allerdings einmal eine Plastiktüte per Hubschrauber geschickt haben.Die Angaben über den Inhalt schwanken zwischen einer halben und drei Millionen Mark. Zusammen mit einer Bekannten, an deren Ruf im Hinblick auf ehrliches Geschäftsgebaren Zweifel bekanntgeworden sind, soll Schuhbeck dem Millionär vom Starnberger See und anderen renditesüchtigen Freunden nach den Behauptungen eines Privatdetektivs und eines Anwaltes, die der Geschädigte einschaltete, Geschichten aufgetischt haben, die so haarsträubend erscheinen, daß ein Gläubiger, der sie glaubt, mit einem Schuß Dummheit versehen zu sein scheint. Zunächst sollen Schuhbeck und seine Bekannte behauptet haben, auf der Bank des Vatikan lägen noch Gelder aus Wiedergutmachungszahlungen für den verstorbenen jüdischen Mann der Frau.Außer Luft war dort jedoch offenbar nichts zu finden.Auch Stasi-Gelder und das gigantische Vermögen der PDS sollen ins Spiel gebracht worden sein.Die Rede ist von einem Brief an den früheren Parteichef Gregor Gysi, in dem die Dame angeblich behauptet, sie könne ihm im Prozeß um das Eigentum an den PDS-Millionen behilflich sein, weil sie einen bestechlichen Richter kenne.Gysi müsse nur ein paar Millionen abzweigen.Der Politiker soll das Ansinnen abgelehnt haben.Auch Gläubiger, die vergebens auf Rückzahlung warteten, wurden offenbar mit dem Versprechen von den im Osten liegenden Millionen beglückt.Der Aufforderung, sie durch Schmiergelder locker zu machen und so an die versprochene, noch ausstehende Rendite zu gelangen, kam jedoch außer dem gespickten Privatier niemand nach.Der soll dem Koch zu diesem Zweck 8,9 Millionen übergeben haben, die dann bei der Frau landeten.Schuhbeck behauptet, er habe ihr das Geld von seinem eigenen Konto überwiesen.Sie habe ihn geprellt. Noch abenteuerlicher wird die Geschichte, wenn von einer Firma und einem Konto in Monte Carlo die Rede ist.Der Exindustrielle soll seine Spekulations-Millionen auf ein Konto Schuhbecks bei einer Bank in München eingezahlt haben.Von dort sollen sie an eine in Liberia gegründete Gesellschaft namens International Financial Corporation mit Sitz in Monte Carlo geflossen sein.Ihr Präsident hieß Alfons Schuhbeck.Der Inhaber ihres Kontos in Monte Carlo auch. Damit kommt ein Mann aus Düsseldorf ins Spiel, der in U-Haft sitzt und auf seinen Prozeß wartet.Schuhbeck fühlt sich als Opfer seines ehemaligen Spezls, eines Finanzjongleurs.Der soll 500 Kunden um 100 Millionen DM gebracht haben.Schuhbeck aber soll behilflich gewesen sein.Er hatte zahlreichen Freunden, unter ihnen Michael Schanze und die ehemaligen Tennis-Ranglistenspielerin Sylvia Hanika, die Anlage ihres Geldes bei seinem häufigen Gast und Freund empfohlen.Auch dabei war von 50 Prozent Rendite die Rede.40 Millionen DM verschwanden, Schuhbeck muß wohl davon profitiert haben.Jedenfalls verurteilte ihn das Landgericht Traunstein wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung. Schuhbeck ist der zweite Spitzenkoch in Deutschland, dem die Küche kalt wird.

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