Welt : Wirkung von Tamiflu nur gering

Forscher kritisieren Hersteller Roche

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Spätestens seit der Schweinegrippe wird das Medikament in vielen deutschen Haushalten zur Sicherheit gelagert. Bund und Länder halten es für so wichtig, dass sie sogar genug für ein Drittel der Bevölkerung bereithalten: Oseltamivir, besser bekannt unter dem Handelsnamen Tamiflu. Doch jetzt hat eine Datenauswertung durch ein Gutachterteam der internationalen Cochrane Collaboration ergeben: Das Mittel hat bei der Zähmung der Influenza insgesamt nur bescheidene Erfolge gezeigt. Die Gruppe um den Forscher Tom Jefferson veröffentlichte ihre Ergebnisse im renommierten „British Medical Journal“. Sie werteten Daten von 20 Studien aus, acht bisher als bedeutsam geltende Untersuchungen wurden dabei außer Acht gelassen, weil die Daten nicht unabhängig überprüfbar waren und nie in hochwertigen wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert wurden. Ausgerechnet auf sie hatte sich allerdings eine Studie aus dem Jahr 2003 besonders gestützt, in der herausgekommen war, dass die Mittel Krankenhauseinweisungen und Komplikationen wie Lungenentzündungen nach einer Grippe-Infektion deutlich reduzieren. Jefferson und sein Team attestieren den Mitteln nun eine deutlich bescheidenere Wirkung gegen die Symptome der Influenza. Schon zuvor war bekannt, dass sie nur dann etwas ausrichten, wenn sie frühzeitig nach einer Infektion eingenommen werden. In einem Kommentar zur jetzt veröffentlichten Studie gehen die Herausgeber der britischen Zeitschrift hart mit der Herstellerfirma Roche und ihrem Umgang mit Daten ins Gericht. Unter anderem heißt es dort: „Regierungen in aller Welt haben Milliarden für ein Medikament ausgegeben, das die Gemeinschaft der Wissenschaftler zu diesem Zeitpunkt nicht beurteilen konnte.“ Sie fordern von den Herstellern unabhängige Studien.

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