Wissenschaft : Das Blutbad im Mutterleib

Sandtigerhaie fressen sich vor ihrer Geburt gegenseitig auf. Australische Forscher wollen die gefährdete Spezies vor dem seltsamen Kannibalismus schützen - mit künstlichen Gebärmüttern.

Sydney - Im Bauch trächtige Sandtigerhaie tummeln sich anfangs mehr als 40 Embryos in zwei voneinander getrennten Gebärmüttern. Am Ende der zwölf Monate dauernden Tragezeit sind jedoch nur noch zwei Junge übrig. "Mit etwa vier Monaten sind die Embroys rund zehn Zentimeter groß und haben einen voll entwickelten und funktionstüchtigen Kiefer. Dann fangen sie an, ihre Geschwister zu fressen.", erklärt der Hai-Spezialist Nick Otway. Durch diese merkwürdige Reproduktionsstrategie bedrohe jeglicher schädigender Umwelteinfluss sofort die gesamte Population, berichtet der Forscher.

Der Sandtigerhai wird etwa drei Meter lang und gilt an der australischen Ostküste als stark gefährdete Spezies und weltweit als gefährdet. Da die Haie nur alle zwei Jahre Nachwuchs produzieren, ist der Bestand des Raubtiers inzwischen vom Aussterben bedroht. Gemeinsam mit Kollegen vom staatlichen Fischereizentrum in Cronulla bei Sydney will Otway nun modernste Technologien nutzen, um die etwa 70 Millionen Jahre alte Haiart zu bewahren.

Die Wissenschaftler aus Cronulla wollen ein trächtiges Weibchen fangen und dessen Embryos ausschwemmen, bevor diese sich gegenseitig fressen. In röhrenförmigen Behältern, dem künstlichen Uterus, sollen die Haie schließlich getrennt voneinander aufgezogen werden. Otway zufolge sind die Forscher derzeit damit beschäftigt, künstliches Fruchtwasser zu entwickeln. Ehe der erste derartige High-Tech-Hai jedoch "geboren" werden kann, sind noch viele Untersuchungen und ein Berg Forschungsarbeit nötig. Bis zu fünf Jahre könne dies dauern, schätzt Otway. "Wenn wir jährlich bis zu 40 Junge aufziehen könnten, würde das die Population der Sandtigerhaie ein gutes Stück voranbringen", sagt der Forscher.

So brutal sich die Hai-Babys auch gebärden, so sanft sind sie gegenüber ihrem wohl größten Feind: Bisher wurde kein Fall bekannt, in dem ein Sandtigerhai einen Menschen angriff. (tso/AFP)

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