Wissenschaft : Meterlanger Schachtelhalm im versteinertem Wald von Chemnitz

Vor 290 Millionen Jahren wurde ein Wald in der Nähe von Chemnitz unter einer dicken Ascheschicht begraben. Der Auslöser war ein Vulkanausbruch. Die darunter liegende Vegetation begann zu versteinern und ermöglicht jetzt interessante Einblicke in die Pflanzenwelt der Vorzeit.

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Eine Studentin bei der Arbeit im versteinerten Wald. -Foto: dpa

ChemnitzBei den Grabungen nach dem 290 Millionen Jahre alten versteinerten Wald von Chemnitz haben Forscher einen mehrere Meter großen Schachtelhalm mit Verzweigungen freigelegt. "Das ist ein einmaliger Fund", sagte der Direktor des Chemnitzer Naturkundemuseums, Ronny Rößler, am Freitag. "Wir können nun genauer bestimmen, wie diese Pflanzen wirklich ausgesehen haben." Die bisherigen Rekonstruktionen des Schachtelhalms hätten auf Pflanzenfunden basiert, die keine Verästelungen hatten.

Zudem entdeckten die Forscher den noch stehenden Stamm eines Nadelgehölzes. "Der letzte wurde im 18. Jahrhundert in Chemnitz gefunden und danach beim Brand im Dresdner Zwinger 1849 zerstört", sagte Rößler. Zuvor hatten die Helfer bereits mehrere stehende und liegende Gymnospermenstämme gefunden. Das sind Nacktsamer, zu denen unter anderem die heutigen Nadelbäume und Farnpflanzen gehören.

Steinwald soll zu Touristenattraktion werden

Mit den Funden lasse sich nun genauer nachvollziehen, wie der einstige Regenwald aussah, erklärte Rößler. "Das besondere in Chemnitz ist, dass die Bäume an ihrem Wuchsort konserviert wurden und nicht etwa durch einen Fluss weggespült wurden." Seit April graben die Forscher im Chemnitzer Stadtteil Hilbersdorf ein etwa 500 Quadratmeter großes Loch aus, um die uralten Kieselhölzer freizulegen. Alle Funde werden genau dokumentiert und ins Museum transportiert. Langfristig plant Rößler ein rund zwei Fußballfelder großes Areal in der Nähe auch als Touristenattraktion freizulegen. Die Stadt Chemnitz strebt damit in die Liste des Unesco- Weltnaturerbes.

Der versteinerte Wald stammt aus einer Zeit, als in Sachsen noch tropischer Wald wuchs. Durch einen Vulkanausbruch vor 290 Millionen Jahren wurde die Vegetation unter einer dicken Ascheschicht begraben. Mit Hilfe chemischer Prozesse blieben die Pflanzen Zelle für Zelle erhalten und versteinerten. Darauf wurde später die Stadt Chemnitz errichtet. Die ersten verkieselten Hölzer wurden vor etwa 300 Jahren gefunden. (lee/dpa)

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