Welt : Wo die Sonne untergeht

ANDREAS OSWALD

Lloyd Webbers "Sunset Boulevard" in London und New York vor dem Aus VON ANDREAS OSWALD

Andrew Lloyd Webbers Musical "Sunset Boulevard" wird in London und New York in Kürze eingestellt.Dies berichteten britische Zeitungen am Montag.Die Entscheidung ist ein Schock für das Londoner West End.Ein weiteres Musical des Komponisten, "By Jeeves", soll ebenfalls bald seine letzte Vorstellung geben.Gleichzeitig wurde bekannt, daß die Premiere seines neuesten Musicals "Wistle Down the Wind" am Broadway um zwei Monate verschoben wird. Wie der "Daily Telegraph" am Montag berichtete, macht "Sunset Boulevard" am Broadway Verlust.Lloyd Webbers Produktionsgesellschaft "The Really Useful Group" dementierte jedoch schlechte Kartenverkäufe in beiden Städten.Sie begründete das Aus mit Schwierigkeiten bei der Besetzung der Starrollen des seit 1993 laufenden Musicals. Diese Begründung wird von Beobachtern nicht als ausreichend angesehen.Die besten Stars der Musical-Welt hätten erklärt, sie seien bereit, darin aufzutreten.Wenn es keine finanziellen Probleme gebe, gebe es keinen Grund, das Musical ein oder zwei weitere Jahre zu spielen.Sprecher des Komponisten, die einen Flop dementieren, sind andererseits nicht bereit, die Höhe des Profits dieses Musicals mitzuteilen. Der "Daily Telegraph" zitiert einen engen Mitarbeiter mit den Worten: "Sir Andrew hat ein Problem.Wenn eine seiner Shows nicht zehn Jahre durchhält, beurteilt er sie als einen Flop." Sunset" laufe seit dreieinhalb Jahren, was andere Produzenten als Riesenerfolg feiern würden. Der "Daily Telegraph" berichtete am Montag, seit Weihnachten seien bei der "Really Useful Group" 18 von rund 100 Angestellten entlassen worden.In diesem Jahr lägen weniger Projekte an als noch 1996. "Sunset Boulevard" war nach den Maßstäben des verwöhnten Komponisten nur ein mäßiger Erfolg.Den Berichten zufolge ist Lloyd Webber deswegen gelassen.Er ist offenbar sehr zufrieden mit dem Erfolg des Films "Evita" und plant weitere Hollywood-Projekte. Lloyd Webber machte kürzlich mit öffentlichen Beleidigungen Schlagzeilen.Er bezeichnete laut "Sunday Times" die Jahresversammlung eines der wichtigsten Verbände der Musikindustrie, "Midem", als Zusammenkunft "zweitklassiger Funktionäre, die viel Geld ausgeben".Die Einzigen, die daran verdienten seien die Hersteller von Medaillen und Orden.Er habe einmal daran teilgenommen und sei Zeuge gewesen, wie ein "übergewichtiger Plattenchef nackt auf einem Tisch tanzte mit zwei Mädchen, die seine Schenkel massierten".Dummerweise war die jetzige Jahresversammlung hochkarätig besetzt, unter anderem mit Rob Dickins, dem Chef der Warner-Plattenfirma, die Lloyd Webbers Evita-Soundtrack in die Charts gehievt hat.

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