Welt : Wofür Sojamilch gut ist

Nicola Siegm,-Schultze

Wenn Mütter ihre Kinder nicht stillen können oder dürfen, müssen sie auf Fertignahrung zurückgreifen. Der Muttermilch-Ersatz wird entweder auf der Basis von Kuhmilcheiweiß oder von Sojaprotein hergestellt. „Eine Säuglingsnahrung aus Kuhmilcheiweiß ist den Sojaprodukten vorzuziehen", sagt Professor Berthold Koletzko vom Haunerschen Kinderspital der Universität München. „Denn Säuglinge verdauen Sojaeiweiß schlechter als Kuhmilch-Eiweiß. Außerdem enthalten Sojaprodukte Östrogene in Konzentrationen, die für Säuglinge bedenklich sind", sagt der Vorsitzende der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde. Wenn aber Säuglinge stoffwechselbedingt keinen Milchzucker vertragen oder wenn sie auf das Kuhmilcheiweiß allergisch reagieren, könnten die Eltern auf Sojaprotein-Extrakte ausweichen. Manche Eltern seien auch strenge Vegetarier und zögen deshalb das Pflanzenprodukt vor, so Koletzko. Weil Babys schnell wachsen, haben sie einen hohen Bedarf an Vitaminen. Die Hersteller reichern daher den Muttermilch-Ersatz – ob aus Kuh- oder Sojaprotein – mit Vitaminen an. Dazu gehört Vitamin B1. Mehrere Enzyme des Zuckerstoffwechsels benötigen Vitamin B1 als „Mitspieler", um ihre Funktionen erfüllen zu können. Fehlt das Vitamin, auch Thiamin genannt, gerät der Stoffwechsel von Zellen in verschiedenen Geweben aus den Fugen, und das Blut wird übersäuert. Die Folge: Störungen des Nervensystems, die Kinder sind müde und schwach, Erwachsene oft zusätzlich verwirrt, die Muskeln bilden sich zurück und es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen. Thiamin kommt – außer in tierischen Lebensmitteln – in den Randschichten von Getreide vor. Diese sind aber für Säuglinge schwer verdaulich und in der Ersatznahrung für Babys nicht mehr enthalten.

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