Wohnen über den Wolken : Hoch wollen sie leben
15.09.2011 16:34 Uhr
Wohnen im Wolkenkratzer? Der Plan, am Alexanderplatz einen 150 Meter hohen Wohnturm zu bauen, ruft bei vielen Berlinern ein Schaudern hervor. Lieben sie doch ihre beschaulichen Altbauviertel. Wer, so fragen sich viele, will in so einen monströsen Luxusneubau einziehen, der mitten in der Stadt als Solitär alles überragt?
Besonderes Unverständnis dürfte die Äußerung eines Projektentwicklers hervorrufen, der, wie in der Mittwochausgabe berichtet, Wohntürme als „Trendprodukt der kommenden Jahre“ bezeichnete.
Hintergrund eines solchen Investorenprojekts sei die verstärkte Nachfrage nach innerstädtischem Wohnraum, sagt Andrej Holm, Stadtsoziologe der Humboldt-Universität.
Ob ein solcher Wohnturm aber mit der Vorstellung der Menschen von innerstädtischem Leben übereinstimmt, sei fraglich. „Wir beobachten bei wohlhabenden Schichten in Berlin eine Orientierung an Nachbarschaft und vermeintlicher Echtheit im Quartier mit kleinen Läden und Lokalen. Wer viel Geld hat, kauft sich im Moment ein Townhouse oder eine Altbauwohnung.“
Denkbar sei allerdings, dass im Rahmen einer Internationalisierung eine Nachfrage nach Luxuswohnungen in einem Hochhaus entstehe, sagt Holm.
In anderen Teilen der Welt haben Wolkenkratzer als Wohnraum eine lange Tradition. Berühmt sind die Condominiums in Manhattan. Viele wurden bereits in den 20er und 30er Jahren erbaut und gelten als Juwelen der Architektur. Das Leben darin ist ausgesprochen komfortabel, weniger wegen des Pools. Die Häuser, außen und innen vielfach im Art-déco-Stil gehalten, vermitteln dem Bewohner wie dem Besucher das Gefühl, sich in einem atemberaubenden großstädtischen Ambiente aufzuhalten, mitten in der pulsierenden Stadt.
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