Wolfgang Joop : Das Wunderkind will nicht mehr rechnen

Die Nachricht löste am Donnerstag zunächst Überraschung aus: Wolfgang Joop gibt die Geschäftsführung seines Labels ab – der Firma bleibt er aber kreativ verbunden

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Unermüdlich. Wolfgang Joop.
Unermüdlich. Wolfgang Joop.Foto: dpa

Potsdam - Kehrt Wolfgang Joop seiner Firma „Wunderkind“ und der gleichnamigen Villa am Heiligen See in Potsdam den Rücken, um künftig am Bodensee Schlüpfer, Unterhemden und Schlafanzüge für Schiesser zu entwerfen? „Wolfgang Joop ist als Geschäftsführer von Wunderkind zurückgetreten“, hieß es in einer Mitteilung, die „Wunderkind“ am Donnerstagmorgen verbreiten ließ.

Am Montag hatten Joop und der Insolvenzverwalter von Schiesser, Volker Grub, verkündet, dass der 65-jährige Designer, Buchautor, Schriftsteller und Hobbykoch, der nebenbei auch noch Parfüm kreiert und Stützstrümpfen modischen Chic einhaucht, Schiesser an die Börse bringen und Calvin Klein den Rang als weltbekanntestem Schlüpferdesigner ablaufen will. „Calvin Klein hat weiße Unterhosen zu einem sexy Item gemacht“, sagte Joop vor wenigen Monaten dem Tagesspiegel, „das kann ich ja wohl auch“.

Doch eines will der Potsdam-Liebhaber jetzt nicht mehr sein: Geschäftsführer seiner Edelfirma. „Es war von Anfang an geplant, dass er die Aufgabe nur vorübergehend übernimmt“, sagt „Wunderkind“-Sprecher Oliver Jacobs. Im vergangenen Jahr hatte sich Edwin Lemberg, der Joops Geschäfts- und Lebenspartner gewesen war, aus der Firma zurückgezogen. Notgedrungen hatte daraufhin der Firmengründer die Geschäftsführung selbst übernommen. „Jetzt will er sich wieder auf die kreative Arbeit konzentrieren“, sagt Jacobs. Großes Stühlerücken gibt es nicht. Neuer Geschäftsführer wird Markus Hennig, der bereits Generalbevollmächtigter war. Gisa und Hans-Joachim Sander, die Wella-Erben, übernehmen den Anteil von Lemberg an „Wunderkind“ und halten jetzt 65 Prozent, Joop selbst ist mit 35 Prozent beteiligt.

Bei „Wunderkind“ kostet ein Kleid zwischen 900 und 3000 Euro. Die Marke verkauft sich offenbar sehr gut. Zu den vier „Wunderkind“-Läden – davon zwei in Berlin –, sollen drei weitere hinzukommen, auch in Paris und Mailand sind Dependancen geplant.

Seit diesem Sommer können auch Männer „Wunderkind“ tragen. Seinen Stil beschreibt Joop selbst als Mischung aus „hartem Realismus und Sehnsucht nach Schönheit“ – was auch heißen kann: unten Schiesser, oben „Wunderkind“.

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