Welt : Wolken über Hollywood

Wie der drohende Krieg die Oscar-Vorbereitungen stört

Anna Schwan[Los Angeles]

Gill Cates Jr. hatte keine gute Nacht. Der Gedanke an die 75. Verleihung der Oscars am Sonntagabend treibt dem Produzenten der Verleihung die Sorgenfalten ins Gesicht.

Angesichts des bevorstehenden Krieges scheint es nicht einmal mehr sicher, ob die Show stattfindet, auch wenn Cates eine Verschiebung momentan ausschließt: „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Verleihung planmäßig über die Bühne gehen wird. Wenn der Krieg bis dahin ausgebrochen ist, werden wir schon eine Möglichkeit finden, damit umzugehen." Also schmiedet er gemeinsam mit dem Fernsehsender ABC, der die Übertragungsrechte hält, Pläne. Nachrichtenbänder unten auf dem Fernsehbildschirm wären möglich oder auch eingeblendete aktuelle Beiträge zum Kriegsgeschehen in Bagdad. Die größten Sorgen bereiten dem Produzenten jedoch die Stars. „Ich kann nur hoffen, dass die Leute wissen, was sie auf der Bühne sagen. Und vor allem, wie es rüberkommt", sagt er mit Bezug auf die traditionell überschwenglichen Dankesreden der Preisträger, die in diesem Jahr ungewöhnlich politisch ausfallen könnten: Wenn etwa Martin Scorsese, Roman Polanski, Jack Nicolson, Nicole Kidman oder Julianne Moore die Gelegenheit ergriffen, um ihren Unmut über die US-Regierung zu äußern, hätte das unter Umständen große Auswirkungen auf die Meinung der US-Öffentlichkeit. Die Mitglieder der Traumfabrik sind schließlich die großen Idole der Amerikaner, die Ausstrahlung der Academy Awards ist auch der absolute Quotenrenner der Entertainmentbranche – über 41 Millionen Zuschauern schalteten im letzten Jahr ein. Daniel Day-Lewis, der für seine Titelrolle in „Gangs of New York" nominiert wurde, hat seine Bedenken bereits angemeldet: „Ich finde es reichlich unpassend, unsere juwelenbehängten Schauspielerinnen in ihren tief ausgeschnittenen Kleidern defilieren zu lassen, während auf der anderen Seite der Welt Soldaten und Unschuldige sterben." In der Tat ruft die Kombination von Glamour und Krieg unschöne Propaganda-Assoziationen hervor. Doch bisher ist die Marschrichtung klar: The show must go on.

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