World Cyber Games : Killer am Bildschirm

Bei den World Cyber Games gibt es eine halbe Million Dollar zu gewinnen – mit Spielen wie Counterstrike.

Roman Reinhardt arbeitet als Profikiller. Dafür wird der 25-Jährige bewundert und gesponsert. Von seinem Studium nimmt er sich gerade eine Auszeit, um wieder Leute umzubringen – wie dieser Tage in Köln, beim Finale der World Cyber Games. Dort treffen sich 800 Computerspieler aus der ganzen Welt und zocken auf dem Kölner Messegelände bei 14 Computerspielen um ein Preisgeld von knapp einer halben Million Dollar. Roman Reinhardt sieht sich eher als Sportler denn als Spieler, als E-Sportler. Er übt jeden Tag durchschnittlich drei Stunden. Mit Zocken verdient er sein Geld. Er spielt Counterstrike, das mit Abstand beliebteste Computergame der E-Sportler.

Bei dem Spiel werden Punkte durch das virtuelle Töten von Gegnern erzielt; auch Robert Steinhäuser war ein Anhänger von Counterstrike, bevor er im Jahre 2002 in Erfurt erst Mitschüler und schließlich sich selbst umbrachte. Wie steht Roman dazu? „Immer dieselbe Leier“, sagt Roman Reinhardt. Früher hat er sich über solcherlei geärgert, heute reagiert er gelassen auf Fragen. „Der Junge hat das Spiel allein gespielt und nicht im Team, er war einsam.“ Roman hat viele Freunde. Vier davon sitzen rechts und links um ihn herum: Alternate Attax, sein Team oder Clan, wie es in der Szene heißt. Bei seinem Clan spielt der Berliner seit 2006, zusammen waren sie schon auf vielen Turnieren auf der ganzen Welt. „Paris, San Jose und jetzt eben Köln – dieses Jahr war nicht so viel los“, sagt Roman. Gegenüber Kommilitonen spricht er nicht so viel über seinen Job.

Auf der Bühne sitzen die Profis aus Korea

Roman arbeitet als Angestellter bei Alternate Attax. Gemeinsam zockt sein Team im Internet oder bei Turnieren gegen andere Mannschaften, dafür zahlt ihm sein Clan Reisespesen und ein monatliches Gehalt – wie viel genau, darüber schweigt er. Für gute Spieler wie Roman sind hohe dreistellige Summen im Monat üblich. Zum Gehalt kommen noch die Preisgelder. Wenn es gut läuft, gewinnt er mit seinem Team an einem Wochenende 50.000 US-Dollar. Die Preisgelder kommen hauptsächlich von Sponsoren, die in den Zuschauern und Spielern die Käufer ihrer Produkte sehen. Am Wochenende soll es in den Kölner Messehallen richtig voll werden. „Dann kommen die guten Spiele, die Finalpartien“, erklärt Roman. Dann sitzen auf der Bühne die Profis aus Korea, die zu Hause in Stadien spielen, von Fans umschwärmt werden und mit Computerspielen Hunderttausende Dollar verdienen. „Auch in China geht es gerade total ab, da behandeln uns die Leute wie Stars, fragen nach Autogrammen oder rufen unseren Teamnamen.“ Seine Gegner, gegen die Roman mit seinem Team am Computer antritt, trifft der Student aber oft auch nach den Turnieren, ganz privat. Man geht gemeinsam aus, unterhält sich, feiert.

Bei den World Cyber Games in Köln zeigt sich die ganze Bandbreite des E-Sports. Beispielsweise sind Teilnehmer aus dem fernen Pakistan vertreten, die zu Hause nicht am eigenen Rechner, sondern in Internetcafés um Geld spielen. Auch sie ziehen am Abend wie die anderen Teilnehmer aus Europa in Köln um die Häuser. Kölsch trinken sie allerdings nicht. Nicht nur, weil ihre Religion ihnen das verbietet. „Wir dürfen vor unseren Partien keinen Alkohol trinken, das steht in unseren Verträgen“, sagt einer der pakistanischen Zocker. Im Gegensatz zu vielen Mitstreitern geht er vor dem Wettbewerb früh zurück in die Jugendherberge und legt sich Schlafen. Das sei gut für die Konzentration, sagt die Psychologin Susann Schaffer. Sie betreut als Mentalcoach die deutsche Mannschaft. Schaffer sieht Spiele wie Counterstrike kritisch: „Friedlicher machen sie nicht“, sagt Schaffer.

„Bei uns geht es um Taktik, nicht ums Töten“

Computerspieler Roman lässt Einwände gegen seinen „Beruf“ nicht gelten: „Bei uns geht es um Taktik, nicht ums Töten“, sagt er. Auf den Bildschirmen der professionellen Counterstriker fließe auch kein Blut. „Das stört nur“, erklärt er. Und schließlich habe sogar der Kölner Oberbürgermeister die World Cyber Games eröffnet. Er ist Mitglied der CDU, die ein Verbot von sogenannten Killerspielen fordert.

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