World Wide WEG : ich@australien

Foto: privat
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Von: Julius Wolf

An: werbinich@tagesspiegel.de

Betreff: Ohne Äpfel zum Riff

Der letzte Teil meiner Australienreise hat angefangen. Die Route für den finalen Roadtrip ist geplant, mal sehen wie genau sie sich verwirklichen lässt. Planung und Australien, das passt selten zusammen. Ich bin endlich raus aus Stanthorpe und weg vom Apfelpflücken. Meine gute Freundin Jane hatte die Nase schon eine Woche früher voll und ist mit zwei Schwedinnen auf eine Pferdefarm gefahren. So wie es aussieht, wird sie den Plan, nur ein halbes Jahr zu bleiben, nicht einhalten und länger in Australien bleiben.

Es gibt einfach zu viel zu tun und zu sehen in Australien. Auch für mich wird es schwierig, alles das, was ich noch vorhabe, in den letzten Wochen unterzubringen. Statt mit Jane reise ich nun mit Nichola, der Kanadierin, die ich in Stanthorpe unterm Apfelbaum kennengelernt habe. Und, wunderbar, wir müssen nicht mehr arbeiten. Die Tickets für meine Rückflüge über Thailand nach Deutschland sind gebucht und bezahlt. Und es ist noch genug Geld für die ausstehenden Pläne übrig. Nichola und ich wollen im 4WD, also im Jeep mit Vierradantrieb, über Fraser Island fahren, dann um die Whitsundays segeln und im Great Barrier Reef tauchen, aber nicht gerade im ölverschmierten Teil. Dann wollen wir noch irgendwo im Norden im australischen Urwald wandern. Und ich will immer noch Fallschirmspringen.

Für all das haben wir nur noch wenige Wochen Zeit. Ein ziemliches Programm. Dann geht’s ab nach Hause. Mit einem zweiwöchigen Stopp in Thailand. Nach Hause, das klingt komisch. Der Kontakt zu vielen meiner Leute war sporadisch oder ist ganz abgebrochen. Ich bin gespannt, ob das so bleibt oder mit wem sich das wieder ändert. Besonders, weil ich nicht die Zeit habe, um in einen normalen Alltag zurückzukehren. Allzu lange werde ich nicht in Berlin bleiben. Höchstens drei Monate vielleicht. Bis ich das Geld zusammen habe, um … ja genau, meine Reiselust ist noch nicht befriedigt.

Ich will nach Kanada, zu Nichola, Jay, Drew und Mark, meinen Apfelpflücker-Kompagnons. Drew, Mark, vielleicht Nichola und ich wollen ein Wohnmobil kaufen und damit durch Kanada und Alaska fahren. Das war erst einmal nur eine Idee, entstanden in lustigen und weingetränkten Gesprächen am Abend. Erst war es eine Laune, dann eine Spinnerei, dann eine Idee, die niemand richtig ernst nahm. Und dann wurde es ein Versprechen unter uns vier, das keiner mehr brechen will, zumindest wünsche ich mir das. Es ist ein Ziel. Und das habe ich auf jeden Fall hier in Australien gelernt: Dass man Pläne schon mal über den Haufen werfen und ändern kann. Wenn man dabei das Ziel im Auge behält.

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