Welt : Wortlautauszüge der Wowereit-Trauerrede

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat am Samstag auf der Trauerfeier in der Gedächtniskirche Harald Juhnke als großen Berliner Volksschauspieler gewürdigt. Die Nachrichtenagentur dpa sendet nachfolgend Wortlautauszüge:

Berlin (09.04.2005, 16:01 Uhr) - "...Harald Juhnke, der große deutsche Schauspieler, Komödiant, Entertainer und Conférencier ist tot. Wir verneigen uns vor einem genialen Volksschauspieler, einem hervorragenden Interpreten im ernsten wie im heiteren Fach, vor einem Berliner Original. Wir verneigen uns aber auch vor dem Menschen Harald Juhnke. Jetzt, da wir von ihm für immer Abschied nehmen müssen, da der letzte Vorhang endgültig gefallen ist, sind unsere Gedanken und unser Mitgefühl ganz besonders bei Ihnen, liebe Frau Juhnke, bei den Söhnen Peer und Oliver, bei all seinen Angehörigen...

Harald Juhnke, der aus dem Wedding stammende Polizistensohn, hat seinen Lebenstraum, Schauspieler und Sänger zu werden, mit ungeheurer Kraft und atemberaubendem Erfolg - ganz besonders in Berlin - verwirklicht. Ich persönlich bin, wie viele meiner Generation, in Berlin sozusagen mit Juhnke groß geworden. Wie kaum ein zweiter erreichte er die Höhen des Ruhmes, durchschritt er tiefe Abgründe...

Wir alle haben mit ihm nicht nur seine Erfolge gefeiert, wir haben an den Qualen seiner Krankheit immer auch Anteil genommen. Es zeichnete Harald Juhnke stets aus, dass er in einem fast wörtlichen Sinne volksverbunden und bodenständig war. Er war einer von uns...

Wenn man seine Filme sieht, sich an seine Theaterauftritte erinnert, dann könnte man meinen, die Rollen des so genannten "kleinen Mannes", des einfachen Menschen, des Tausendsassas, seien ihm auf den Leib geschrieben gewesen...

Eine Berliner Stimme ist verstummt. Das betrifft gleichfalls den Sänger Harald Juhnke, den Frank Sinatra von der Spree. Auch mit seinen Songs und Liedern hat er Furore gemacht...

Wenn wir uns an Harald Juhnke erinnern, dann werden wir uns gewiss, dass mit ihm auch eine Ära zu Ende geht. Hildegard Knef, Wolfgang Gruner, Günter Pfitzmann, Hörst Buchholz, Brigitte Mira, Harald Juhnke, diese großartigen Künstler haben die Theater- und Filmstadt Berlin nach dem Kriege entscheidend geprägt, ihren Ruhm wieder belebt. Harald Juhnke hat viel für seine Heimatstadt geleistet. Er hat sich immer wieder zu Berlin bekannt. Er wie wir wussten, er konnte ohne Berlin nicht sein und wir hatten den Eindruck, Berlin ohne ihn auch nicht...

Das Berlinerische war nicht nur Lippenbekenntnis, er hat es gelebt. Mit "Herz und Schnauze", mit Großzügigkeit und Solidarität. Auch aus der Erfahrung seines Lebens in dieser Stadt war er oft an der Seite jener, die in Bedrängnis und Not waren...

Blicken wir auf dieses Leben, so nötigt es uns Respekt, Achtung und Dankbarkeit ab. Harald Juhnke war ein ganz Großer und wir sind heute auch froh und dankbar darüber, dass seine Stimme nicht wirklich verstummt. In seinen Filmen und CD's hat er uns nicht nur ein bleibendes, sondern vor allem ein lebendiges Erbe hinterlassen...Berlin verneigt sich in Dankbarkeit und Trauer vor Harald Juhnke." (tso)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben