Welt : Wunder gibt es immer wieder

Die Pfingstrose belohnt Gartenfreunde über Jahrzehnte mit ihrer Blütenpracht

von

Schon seit Jahrhunderten schmücken Pfingstrosen (Paeonia) Bauerngärten, Parks und heute gar auch manche Dachterrasse. Mit ihren tiefroten Blütenbällen ziehen sie die Blicke förmlich auf sich. Ohne viel Pflege werden die alten Horste von Jahr zu Jahr größer und schöner, wachsen zu riesigen, reich blühenden Pflanzen heran. Mit der Bedeutung unseres Pfingstfestes hat dieses Blütenwunder allerdings nichts zu tun, außer dass sie immer im Mai / Juni, je nach Witterung, zu voller Pracht gelangt.

Wahrscheinlich wurden die im Ursprung südeuropäischen Pfingstrosen zuerst von den Benediktinermönchen in die Klostergärten unserer Breiten eingeführt. Die Gottesmänner schrieben der Pflanze verschiedene Heilkräfte zu. Und Hildegard von Bingen (1098–1179), Äbtissin und wohl die bedeutendste Ärztin im frühen Mittelalter, schreibt in ihrer „Naturgeschichte“: „Wenn ein Mensch geisteskrank wird, so daß er nichts mehr von sich weiß und wie in Ekstase daliegt, dann soll man Paeonienkörner in Honig tauchen und auf seine Zunge legen. Dann werden die Kräfte der Päonie in sein Gehirn aufsteigen und ihn wecken, so daß er schnell wieder zu seinem Verstande kommt.“

Auch der botanische Gattungsname Paeonia bezieht sich auf ihre Heilkraft, denn sie wurde nach Peon benannt, dem griechischen Gott der Heilkunde. Er soll sie der Sage nach entdeckt haben und den Gott Pluto von Wunden geheilt haben, die ihm Herkules zugefügt hatte.

Die Bauernpfingstrosen (Paeonia officinalis) kommen von Spanien über Südfrankreich und Norditalien bis zum Kaukasus wild in der Natur vor. In den Südalpen siedeln sie gar bis in Höhen von etwa 1800 Meter vor allem auf kalkhaltigen Sonnenhängen. Die Pflanzen werden etwa 60 Zentimeter hoch und bilden tief eingeschnittene Blätter und bis 13 Zentimeter breite Blüten mit gelben Staubbeuteln. In Gärten sind vor allem gefüllte Formen der Bauernpfingstrosen beliebt. Sie werden schon seit dem Mittelalter kultiviert und sind im Handel als „Rubra Plena“ oder „Purpurea Plena“ erhältlich. Inzwischen gibt es auch weiße, rosafarbene und einfach blühende Sorten, die weniger bekannt sind, da sie seltener im Handel geführt werden. Zu ihnen gehören „Alba Plena“ (weiß, gefüllt), „Anemoniflora“ (rosa, anemonenblütig), „Mollis“ (dunkelrosa, einfach), „Rosea Plena“ (kräftiges Rosa, gefüllt) oder „Mutabilis Plena“ (lachsrosa, gefüllt).

Wesentlich verbreiteter sind die etwa zwei Wochen später blühenden Edelpfingstrosen (Paeonia-Hybriden), die vor allem auf Kreuzungen mit Paeonia lactiflora zurückgehen. Diese Wildart stammt aus China, wo man schon vor 1000 Jahren interessante Formen auslas. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Europäer mit der Züchtung dieser Pfingstrosen. Einige der alten Sorten sind heute noch weit verbreitet und beliebt, wie „Primevere“, die weiß mit gelber Füllung blüht oder die reinweiß gefüllte „Festiva Maxima“ sowie die leuchtend rosa blühende „Sarah Bernhard“.

Im Laufe der Jahre vergrößerte sich das Sortiment enorm, wobei allerdings einige der alten Züchtungen oftmals nicht standfest genug waren und nach Regenwetter auseinanderfielen. Auch die großen Blütenbälle neigten sich infolge der Last oder die Knospen öffnen sich nicht bei nasskaltem Wetter. Mitte des 20. Jahrhunderts begann man, einen neuen Sortentyp zu schaffen, der niedriger bleibt und mit straffen Stielen besticht. An die Stelle der gefüllten Blüten traten die halbgefüllten und einfach blühenden, die bei Regen nicht so schwer werden und die aufrechte Haltung bewahren. Inzwischen ist das Sortiment so umfangreich, dass man zwischen mehreren tausend Sorten wählen kann. Allen gemeinsam ist ein angenehmer Duft, der von Sorte zu Sorte etwas abweicht.

Günstige Pflanzzeit ist für alle Pfingstrosen von August bis September. Zu diesem Zeitpunkt beginnen die Pflanzen mit der Bildung neuer Faserwurzeln, sie wachsen dann besonders gut an. Man wählt einen sonnigen Platz und lockeren, nährstoffreichen Boden, der lehm- und kalkhaltig ist. Damit sich die Pflanzen optimal entwickeln, benötigen sie viel Platz und sollten deshalb etwa einen Quadratmeter zugebilligt bekommen. Sehr wichtig für die Blühfreudigkeit ist die Pflanztiefe, das heißt, die Augen sollten zwei, maximal drei Zentimeter mit Erde bedeckt sein. Schließlich setzt sich der lockere Boden nach dem Pflanzen noch etwas und die Pfingstrosen rutschen dadurch von selbst noch etwas tiefer.

Günstig ist, den Pflanzen im ersten Winter etwas Schutz zu geben. Anhäufeln oder das Bedecken der Fläche mit Torf ist die beste Methode.

Obwohl die Pfingstrosen einen hohen Bedarf an Nährstoffen haben, sind mineralische Düngergaben nicht zu empfehlen. Optimal wäre im Herbst eine Decke aus Stallmist – doch wer kann sich heute diesen Luxus leisten. Deshalb empfiehlt sich, eine Gabe Kompost oder Hornspäne, die bis zum nächsten Herbst als Wegzehrung reichen. Einmal gepflanzt, können die Rosen lange am gleichen Standort bleiben. Oft erreichen sie erst nach Jahren ihre volle Blühkraft, die Jahrzehnte anhalten kann. Tassilo Wengel

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben