Welt : WWF schlägt Alarm: Naturschützer fürchten um den Parmesan

Die Pasta oder eine Minestrone-Suppe sind kaum vorstellbar ohne den berühmten Parmesan. Die Käse-Spezialität wird weit über die Grenzen Italiens hinaus geschätzt - es könnte sie aber in absehbarer Zukunft nicht mehr geben, warnt der World Wide Fund for Nature (WWF).

Naturschützer schlagen Alarm

Die Naturschützer wählen dieses für alle konkret fassbare Beispiel, um die breite Öffentlichkeit auf ein dramatisches Artensterben aufmerksam zu machen. Insgesamt 51 Nutztierarten sind in Italien vom Aussterben bedroht, darunter auch die beiden einzigen Kuhrassen, aus deren Milch der Parmesan hergestellt wird: Von den Rindern der Reggio-Rasse und den weißen Rindern aus der Po-Ebene gibt es nur noch wenige hundert.

Noch dramatischer bestellt ist es um eine weitere Delikatesse, den original San-Daniele-Schinken. Er wird aus dem Fleisch des schwarzen Romagna-Schweins hergestellt, von dem in Friaul weniger als 20 Tiere noch am Leben sind. Laut der UN-Ernährungs- und Landwirtschafts-Organisation sind in Italien mit 116 in der Landwirtschaft genutzten Tierarten im europäischen Vergleich zwar immer noch viele Arten zu finden. Fast die Hälfte sei aber vom Aussterben bedroht. Zu ihnen gehören unter anderem die Sempione-Ziege, von der in der Vercelli-Region nur noch zehn Exemplare leben, oder das Belluno-Schaf aus dem Raum Venedig, von dem noch zwei Herden existieren.

In den zurückliegenden fünf Jahrzehnten verschwanden laut WWF in Italien bereits fünf Rinderrassen, sieben Pferdearten, vier Eselarten, drei Ziegenarten sowie zehn Schaf- und Schweinerassen. Die Umweltschutzorganisation macht verschiedene Ursachen für die Besorgnis erregende Situation verantwortlich. So geben zum Beispiel in den Alpenregionen immer mehr Bergbauern ihren Betrieb auf. Die Arbeitskraft der Tiere wurde inzwischen durch Maschinen ersetzt, und die Konkurrenz, der sich rasch ändernde Weltmarkt sowie das gewandelte Verbraucherverhalten tun ihr Übriges.

Würden die bedrohten Tierarten tatsächlich aussterben, müssten die Italiener nicht nur auf einige Delikatessen verzichten. "Wenn wir eine Rasse - und die ist das Ergebnis tausender menschlicher und natürlicher Selektionsvorgänge - verlieren, geben wir auch ein einzigartiges genetisches Erbe auf", betont der WWF.

Die Naturschutzorganisation bemüht sich einerseits darum, die bedrohten Nutztierarten zu retten. So betreibt der WWF in Zusammenarbeit mit der Universität Turin ein Projekt zur Rettung des schwarzen Romagna-Schweins. Einen großen Erfolg hat der WWF bei einer ganz anderen Tierart vorzuweisen: Im Zuge des so genannten Bären-Projekts wurden in den vergangenen Monaten fünf Pelztiere in der nordostitalienischen Region Trentino-Südtirol in die freie Wildbahn entlassen. Sie scheinen sich dort wirklich heimisch zu fühlen. Zwei von ihnen wurden bereits in der Nähe von Trient gesichtet.

Insgesamt sollen über einen Zeitraum von vier Jahren neun Bären aus der ehemaligen jugoslawischen Republik Slowenien in die italienischen Alpen gebracht werden. Die Bären bekommen dort spezielle Halsbänder, mit deren Hilfe ihr Verhalten nachvollzogen und ihr Aufenthaltsort bestimmt werden kann.

Begegnung mit Bären

Ängstlichen Gegnern der Wiederansiedelung der Bären hält der WWF-Vorsitzende in Italien, Fulco Pratesi, entgegen, dass während der vergangenen 150 Jahre in Italien kein einziger Bär einen Menschen angefallen habe. Und das, obwohl die Tiere nicht gerade scheu seien und sich durchaus in die Nähe von Wanderern und Bewohnern trauten.

"Der Herbst ist ohne Zweifel die beste Jahreszeit für solche Begegnungen", erläutert Pratesi. "Dann sind die Tiere auf der Suche nach Futter und einem Platz, wo sie sich ungestört vermehren können."

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