Xavier Naidoo beim Eurovision Songcontest : Offener Brief an die ARD

Eine Plattform die Preise für abstruse, verschwörungstheoretische Aussagen verleiht, wandte sich mit einem offenen Brief an die ARD gegen die Nominierung von Xavier Naidoo für den ESC 2016. Wir dokumentieren den Brief hier.

Xavier Naidoo soll nicht zum Eurovision Songcontest. Das fordert das Team der Plattform "Der Goldene Aluhut" in einem offenen Brief an die ARD.
Xavier Naidoo soll nicht zum Eurovision Songcontest. Das fordert das Team der Plattform "Der Goldene Aluhut" in einem offenen...Foto: dpa

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe ARD, mit Erstaunen haben wir die Entscheidung wahrgenommen, den Sänger Xavier Naidoo direkt für den ESC 2016 aufzustellen. Der ESC ist eine Veranstaltung, die neben der gesanglichen Performance vor allem auch eine nicht zu unterschätzende Symbolwirkung ins Aus- aber auch Inland hat.

Mit Hinblick auf die besondere Bedeutung dieses Wettbewerbs ist die Nominierung von Herrn Xavier Naidoo unter Berücksichtigung seiner öffentlichen Äußerungen äußerst kritisch zu sehen. Herr Naidoo vertritt seit geraumer Zeit verschiedene Verschwörungstheorien, die darin gipfeln, dass die Bundesrepublik Deutschland „gar kein richtiges Land“, ohne Verfassung und die BRD nach wie vor besetzt sei. Er verbreitete diese abstrusen Thesen wiederholt bei verschiedenen Auftritten im Kreis der sogenannten Reichsbürger, denen er auch bereitwillig seine Stimme gab. Im Jahre 2009 veröffentliche Herr Naidoo u.a. einen Song namens „Raus aus dem Reichstag“. In diesem untermauert er u.a. die Verschwörungstheorie, dass die jüdische Großfamilie Rothschild die Welt beherrscht: „Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel“ und spricht von „Todeslisten“, auf den die Obrigkeit ihn setzen könne. Auch 9/11 ist Herrn Naidoo zu Folge eindeutig ein Inside Job der amerikanischen Regierung gewesen.

Dies ist dabei nur ein kleiner Ausschnitt der medial auch sehr präsenten, von Herrn Naidoo bereitwillig vertretenen Thesen. Auf eurovision.de sagt der Sänger: „Ich will […]zeigen, dass wir auch in Deutschland Musik mit Leidenschaft machen.“ Zehn Jahre nach dem 2. Weltkrieg wurde dieser Wettbewerb geschaffen, um Europa durch Musik zusammenzubringen. Die Frage ist, ob wir einem Künstler, der dem Land die Existenz versagt, für das er aufgestellt wird, diese Bühne schenken sollten. Es ist seit jeher vor allem auch eine große Ehre für das eigene Land beim ESC singen zu dürfen und es schwingt mehr Politik und Diplomatie mit, als bei jedem anderen Wettbewerb dieser Art. Wollen wir wirklich der Reichsbürgerbewegung eine internationale Bühne bieten? Nicht umsonst wurde Xavier Naidoo dieses Jahr mit dem goldenen Aluhut für die abstruseste Verschwörungstheorie in der Kategorie „Rechtsesoterik, Reichsbürger & BRD-GmbH“ ausgezeichnet.

Aus diesen Gründen wollen wir Sie bitten, ihre Entscheidung noch einmal gründlich zu überdenken. Sind Sie sich der Sphäre bewusst, in der sich Herr Naidoo bewegt und wenn ja, wie gehen Sie damit um? Mindestens erbitten wir jedoch ein sich von der Reichsbürgerbewegung distanzierendes Statement von Herr Naidoo.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir freuen uns auf Ihre Antwort.

Der offene Brief wurde vom Tagesspiegel hier abgerufen.

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