You-Tube für Muslime : "Will noch jemand zum Islam übertreten?"

Die islamische Version von You-Tube hat sich die moralische Erbauung der User zum Ziel gesetzt. Videos mit leichtbekleideten Frauen oder anderen "unislamischen" Inhalten gibt es hier garantiert nicht. Nicht strenggläubige Muslime dürften allerdings mit einigen der Inhalte Probleme haben.

Anne-Beatrice Clasmann[dpa]

Istanbul "Will noch jemand zum Islam übertreten?", fragt der hemdsärmelige, langbärtige Moderator in die Runde. "Ich hoffe, es werden noch viele heute, so Gott will", fügt er mit jovialem Lachen hinzu. Dann ist der nächste Deutsche an der Reihe, der in gebrochenem Arabisch die "Schahada" aufsagt, das muslimische Glaubensbekenntnis. "Sieben neue Deutsche konvertieren zum Islam" ist der Titel des kurzen Videoclips.

Zu sehen ist die rund fünf Minuten lange Aufnahme auf "Islamic YouTube", einer von mehreren Websites mit ähnlichem Namen, die Inhalte des bekannten Videoportals You-Tube und anderer Webseiten für strenggläubige Muslime filtern. Viele Kurzfilme stammen aus Saudi-Arabien. In zahlreichen von ihnen sind berühmte Prediger zu hören.

Neben Predigten werden vor allem Koran-Rezitationen, missionarische Reden und Anleitungen für den Alltag der "Rechtgläubigen" gezeigt. Die registrierten Mitglieder können die für gut befunden Clips selbst hochladen und kommentieren sie oft mit "Allahu akbar" (Gott ist groß). Besonders beliebt sind Videoaufnahmen von Kindern, die mit glockenhellen Stimmchen aus dem Koran rezitieren oder Fragen zum Islam beantworten.

Fromme Videos zeigen Tote in Moschee und Bordell

Zu den Videos, die am häufigsten angeschaut werden, gehört zum Beispiel der Islamunterricht für die kleine Wachma. Wie aus der Pistole geschossen antwortet die Zweijährige auf die Fragen: "Wer sind diejenigen, die Gottes Zorn auf sich gezogen haben?" "Die Juden." "Wer sind diejenigen, die vom rechten Weg abgekommen sind?" "Die Christen."

Ein anderer Clip zeigt einen jungen Mann, der während des Gebets in der Moschee starb. Das sei ein schöner Tod, urteilt das Video. Der Mann werde sicher seinen Platz im Paradies finden, suggeriert es dem Zuschauer. Anschließend ist der Kopf einer toten Frau mit schmerzverzerrtem Mund zu sehen. Diese junge Frau sei in einem Bordell gestorben, heißt es. Ihr Gesichtsausdruck zeige, dass Engel sie nach dem Tod für ihre Missetaten quälten.

Portale wollen keinen Terror begünstigen

Doch die frommen Islam-Videos geben auch praktische Lebenshilfe für das Diesseits und das Jenseits. So steigt ein junger saudischer Prediger in einem Film selbst in ein frisch ausgehobenes Grab, um genau zu erklären, wie ein frommer Muslim beerdigt werden sollte. Er rät: "Legt dem Toten kein Kissen unter den Kopf!"

Dabei grenzen sich die Videoportale strikt von den Islamisten-Foren ab, in denen Al-Qaida und andere Terrororganisationen ihre Botschaften veröffentlichen und Geisel-Enthauptungen zeigen. "Wir unterstützen oder veröffentlichen keine Videos, die den Terrorismus begünstigen", heißt es in der Selbstdarstellung eines islamischen Video-Forum-Betreibers. 

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