Yvonne Catterfeld : Die neue Romy Schneider?

Zuletzt war die Sängerin wegen der Trennung von ihrem langjährigen Freund Wayne Carpendale im Gerede. Der ehemalige Soap-Star hat mittlerweile vier Filme gedreht. Spielt sie auch bald Romy Schneider?

Markus Ehrenberg
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Yvonne Catterfeld. Wird sie bald Romy Schneider spielen? Die Ähnlichkeit zur Schauspielikone ist zumindest vorhanden. -Foto: ddp

Eigentlich würde sie das Licht lieber aus lassen, sagt Yvonne Catterfeld und wirft einen Blick aus dem Fenster auf den trüben Berliner Nachmittagshimmel. Das ist ungewöhnlich. Wer die Schauspielerin und Sängerin nur aus dem Fernsehen kennt und ihr zum ersten Mal gegenübersitzt, kann sich durchaus vorstellen, dass das zutrifft, was in den bunten Blättern steht: Wenn Yvonne Catterfeld singt, schmelzen Männerherzen. Wenn sie spielt, auch. Und wenn sie Interviews gibt? Muss man im Dunkeln sitzen? Sat-1-Zuschauer müssen sich in der Herzschmerz-Romanze „Wenn Liebe doch so einfach wär’“ heute Abend jedenfalls auf einiges gefasst machen. Zu verbergen hat Yvonne Catterfeld nichts, rein äußerlich zumindest. Sie ist fast makellos schön. Die Ähnlichkeit mit der jungen Romy Schneider ist verblüffend, dazu später mehr. Vielleicht passt ein Catterfeld-Gespräch in der Dämmerung zum Bild, das man sich vom einstigen Shootingstar macht, der ab 2001 als blonder Engel in der RTL-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ bekannt wurde, für die ersten beiden Schallplatten Gold und Platin einheimste, 2004 bei „GZSZ“ ausstieg, sich 2005 auf dem Gipfel des Erfolges von der Managerin trennte, in der Folge mit Schauspielerfreund Wayne Carpendale auf roten Teppichen auftauchte und Anfang dieses Jahres nach der Veröffentlichung des eher verhalten aufgenommenen vierten Albums „Aura“ eine Tournee absagen musste. Dass sie damals am Kiefer operiert wurde, stand überall klein geschrieben. Groß hingegen: Krise!? Was ist los mit Yvonne Catterfeld? Vergangene Woche dann noch die Trennung von Wayne Carpendale; am Ende – trotz der roten Teppiche und gemeinsamen Interviews – eine private Angelegenheit, über die Yvonne Catterfeld nichts sagen möchte. Das lässt das Management vorab mitteilen.

Schwierige Zeiten also für die Schauspielerin. Sie sehnt sich, das wird in dem Gespräch rasch deutlich, nach ihrer Leichtigkeit zurück. Catterfelds erstes TV-Projekt heute nach langer Zeit, die Geschichte der Bahnkartenverkäuferin aus der Provinz, die sich in einen Reederssohn verliebt, soll ein Schritt dahin sein. „Katrina aus dem Film ist so, wie ich früh war, so ähnlich zumindest. Diese lebensfrohe Art, diese Leichtigkeit, diese Unbeschwertheit hatte ich früher auch sehr stark. Dass man Dinge nicht so ernst nimmt, dass man mit Dingen spielerischer umgeht, auch mit dem Beruf, mit der Presse. Weil ich weiterkommen wollte, hatte ich mir wohl so einen gewissen Druck gemacht und ein bisschen von meiner Leichtigkeit verloren.“

Sie bestellt einen doppelten Espresso. Es ist das x-te Gespräch der 27-Jährigen an diesem dunklen Herbsttag im Sat-1-Gebäude in Berlin-Mitte. Ob ihr nach dem blonden Engel bei „GZSZ“ auch mal andere Bücher angeboten wurden als Herzschmerz-Romanzen. „Es wäre arrogant, wenn ich alles ablehnen würde, was in diese Richtung geht. Wenn ich sage: Ich spiele nur noch böse Rollen.“ Immerhin: Die Sat-1-Komödie ist einer von vier unterschiedlichen Filmen, die Catterfeld zuletzt abgedreht hat, und das können ja nicht viele Soap-Stars in Deutschland von sich behaupten. Sie spielt mit in Til Schweigers neuem Kinofilm. Im Januar läuft ein Psychothriller auf RTL, danach eine Kinokomödie mit Atze Schröder. Sie schwärmt: „Die wird überraschen.“ Und: „Es ist wichtig, dass man einen Plan hat.“ Einen Karriereplan? Nach dem Studium an der Musikhochschule Leipzig wurde sie 2000 bei einem Gesangscontest entdeckt. Dann die Julia Blum in „GZSZ“. Sängerei und Schauspielerei wolle sie beides nebeneinander laufen lassen. Sie muss, sie könne nicht anders, sagt sie. Als Kind war sie „ein sehr introvertierter Mensch“. Nur auf der Schulbühne habe sie sich völlig ausgelebt. „Ich bin Schütze, habe mich generell ganz gut unter Kontrolle.“

Hat sie das? Es gibt unangenehmere Pressetermine mit Stars und Sternchen, was auch daran liegt, dass die Catterfeld bei allen Vorabmitteilungen über Gesprächstabus ziemlich locker drauf los spricht. Sie verliert manchmal den Faden, was irgendwie sympathisch ist. Wirkt ein bisschen auch so wie jemand, der den Eindruck vermeiden möchte, verbissen zu sein. Das mit der Kontrolle und der Leichtigkeit, denkt man, schließt sich doch irgendwie aus, und von diesem Gedanken ist es nicht mehr allzu weit zu Romy Schneider.

Zurzeit beschäftigen sich drei Projekte mit einer Filmbiografie über das Leben der vor 25 Jahren verstorbenen Schauspielerin. Früher oder später müssen Caster an den Augen von Marie Bäumer oder Yvonne Catterfeld hängen bleiben. Mal abgesehen davon, ob Herzschmerz à la „Sophie – Braut wider Willen“ das Rüstzeug dafür ist – manche sagen, die in Erfurt geborene Tochter eines Drehers und einer Lehrerin habe ihr Stylish mit den brünetten Haaren bewusst in Richtung Romy Schneider verändert. „Weil die Haare nicht mehr blond sind? Das ist back to nature.“ Sie fällt ins Lachen. Nicht zum einzigen Mal an diesem Nachmittag, an dem, wie zum Kontrast, auffällig oft Wörter wie „Druck“, „Verantwortung“ oder „Entwicklung“ fallen. Natürlich habe sie schon vor Jahren Romy-Schneider-Filme und Biografien gesehen. „Natürlich denkt man dran, das zu spielen. Ich würde mich gar nicht dagegen wehren. Das wäre ein Traum, der Legende gerecht zu werden, eine riesengroße Verantwortung. Lebensaufgabe.“

Schön sein allein reicht dafür nicht aus. Schmelzende Herzen sicher auch nicht. Die Wahlberlinerin genieße es, sich weiterzuentwickeln, „schauspielerisch an sich zu arbeiten, weiterzukommen“. Was los ist mit Yvonne Catterfeld? Vielleicht schafft es die Schauspielerin und Sängerin, dass Ende 2007 mehr von ihr in Erinnerung bleiben wird als Schlagzeilen wegen Wayne Carpendale und ein fader Gag von Harald Schmidt.

„Wenn Liebe doch so einfach wär’“, Sat 1, 20 Uhr 15

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