Zahlen von Aktivisten : Fast 60.000 Morde in Brasilien im Jahr 2014

Die Zahl der Morde in Brasilien steigt deutlich. Im vergangenen Jahr sind Menschenrechtlern zufolge insgesamt 59.559 Menschen getötet worden.

Nach Angaben von Amnesty International wird ein Großteil der Morde in Rio de Janeiro von der brasilianischen Polizei verübt
Nach Angaben von Amnesty International wird ein Großteil der Morde in Rio de Janeiro von der brasilianischen Polizei verübtFoto: Tasso Marcello (AFP)

In Brasilien sind 2014 insgesamt 58.559 Menschen ermordet worden, das sind 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Nichtregierungsorganisation Forum Brasileiro de Seguranca Publica (Brasilianisches Forum für öffentliche Sicherheit). Die Mordrate pro 100.000 Einwohner stieg demnach um 3,9 Prozent auf 28,9. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2014 298 Menschen ermordet, damit liegt dieser Wert bei unter 1. "Das ist ein chronisches Problem", urteilt die Soziologin Samira Bueno. "Wir repräsentieren 2,8 Prozent der Weltbevölkerung; gleichzeitig geschehen hier elf Prozent aller Morde."

Brasilien sei ein "extrem gewalttätiges Land". Das Forum erstellt seit 2008 Statistiken zur Gewalt in Brasilien. Die nun ermittelte Mordrate ist die bislang höchste. Während die Rate in den Großstädten des Südostens sinkt, darunter auch in der künftigen Olympiastadt Rio de Janeiro, steigt sie im armen Nordosten des Landes deutlich. Vier der fünf Bundesländer mit den höchsten Werten finden sich in dieser Region. Der Teilstaat Alagoas führt die Statistik mit 66,5 Morden pro 100.000 Einwohner an. Bei den Großstädten liegt Fortaleza mit 50,8 Fällen vorn.

Einen Grund für die ansteigenden Gewaltraten im Nordosten sieht das Forum in einer genaueren statistischen Erfassung der Verbrechen. "Die Daten spiegeln heute die Realität viel besser als in früheren Jahren", so Expertin Bueno. Zwar habe die Wirtschaft des Nordostens in den vergangenen Jahren die landesweit höchsten Wachstumsraten verzeichnet. Doch "in einem derart heterogenen Land wie Brasilien" könne das Wirtschaftswachstum "kaum die Art der Konfliktbewältigung beeinflussen". Zudem verfügen die nordöstlichen Regierungen laut Expertenmeinung weder über ausreichende Erfahrung noch über ausreichendes Personal zu effektiver Gewaltbekämpfung. Hier sei die Zentralregierung in Brasilia gefordert.

Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wird ein Großteil der Morde im Bundesstaat Rio de Janeiro von der bundesstaatlichen Militärpolizei verübt, vor allem in Armenvierteln.  (KNA,epd)

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