Welt : Zehn Pflanzen- und Tierarten in Europa betroffen

Naturschützer werfen Deutschland Verzögerung der EU-Umwelt-Richtlinien vor

Die Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) hat das anhaltende Aussterben von Tier- und Pflanzenarten in Europa beklagt. Jüngstes Opfer sei der Pyrenäen-Steinbock, dessen letztes Exemplar am 6. Januar in Spanien verendet sei, hieß es auf einer Pressekonferenz des WWF am Donnerstag in Brüssel. Zehn weitere Tier- und Pflanzenarten wie der Schweinswal, der Schneckenfalter und der Wachtelkönig seien in Europa akut vom Aussterben bedroht. Vor allem Deutschland wurde vorgeworfen, hartnäckig Naturschutzrichtlinien zu ignorieren.

Der Direktor des WWF-Europabüros in Brüssel, Tony Lang, kritisierte die EU-Staaten für ihre Verzögerungstaktik bei der Umsetzung der EU-Natur- und Vogelschutzrichtlinien. Als Sündenbock stellte er Deutschland heraus, das fünf Jahre nach In-Kraft-Treten der Habitat-Direktive noch keine vollständige Liste seiner Natur- und Tierschutzgebiete eingereicht hat und dafür vom Europäischen Gerichtshof verurteilt wurde.

Lang sprach sich nachdrücklich für die neue, noch unerprobte Strategie der EU-Kommision aus, Mitgliedstaaten, die die europäische Natur- und Artenschutzgesetzgebung nicht umsetzen, finanzielle Hilfen aus den Strukturfonds zu streichen. Er wies darauf hin, dass Deutschland von dieser Strategie angesichts der Abhängigkeit der neuen Bundesländer von EU-Fördermitteln besonders betroffen wäre. Neben Deutschland gehören Irland, Portugal, Großbritannien, Frankreich und Schweden zu den größten Natursündern.

Ausgedehnte Landwirtschaft, Industrie und Umweltverschmutzung haben nach Auskunft von WWF-Mitarbeiter Christoph Walden die Lebens- und Bruträume von Tieren zerstört. 38 Prozent aller Vogelarten und 45 Prozent der Schmetterlingsarten seien in Europa vom Aussterben bedroht. Die Gefährdung von Arten sei häufig ein Indikator für das gestörte Gleichgewicht der Natur.

Zu den zehn vom WWF hervorgehobenen bedrohten Arten gehören weiterhin der Atlantik-Lachs, der Pardellluchs, die unechte Karettschildkröte, der Braunbär, die Mönchsrobbe und die Orchideenart Frauenschuh. Vom Pardellluchs, der auf der iberischen Halbinsel vorkommt, existieren in Spanien noch rund 600 Exemplare, in Portugal 50. Die Verbreitung des Schneckenfalters nahm in den vergangenen 25 Jahren um 50 bis 75 Prozent ab.

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