Welt : Zehntausende bei Trinkgelagen in Spanien

Krawalle bei verbotenen Partys, genehmigte Feste blieben ruhig – geht es nächstes Wochenende weiter?

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Madrid - Nach Aufrufen zu Massenbesäufnissen in mehreren Städten Spaniens haben landesweit mehrere Zehntausend Jugendliche an Trinkgelagen unter freiem Himmel teilgenommen. Allein in Granada im Süden des Landes kamen rund 35 000 Menschen zusammen, wie die Behörden am Samstag mitteilten. Vielerorts fielen die Freiluftpartys wegen heftigen Regens oder massiver Polizeipräsenz allerdings aus. In Barcelona und Salamanca kam es zu schweren Ausschreitungen, als die Polizei nicht genehmigte Trinkgelage auf offener Straße verhindern wollte.

Bei den Krawallen in Barcelona wurden fast 70 Menschen verletzt, darunter 36 Polizisten. Rund 200 Jugendliche aus der autonomen Szene hatten die Beamten mit Steinen und Flaschen angegriffen. Es gab mehr als 50 Festnahmen. Ähnliche Krawalle gab es auch in der Universitätsstadt Salamanca. Dort seien 16 Jugendliche festgenommen worden, unter ihnen auch ein Deutscher, hieß es.

Landesweit mussten Hunderte Partygänger wegen Alkoholexzessen behandelt werden. Vielerorts war zu sehen, wie die Jugendlichen sich Schnaps oder eine „Calimocho“ genannte Mischung aus Rotwein und Cola über einen mit einem Trichter verbundenen Schlauch einflößten. „Besoffen und stolz – lasst uns in Ruhe trinken“, war auf einem Transparent in Madrid zu lesen. Dort verhinderte die Polizei zwei Parties an den ausgemachten Treffpunkten. „Ich bin schon vier Mal nach Schnapsflaschen durchsucht worden. Mir reicht es!“, schimpfte ein Teenager.

Um die Jugendlichen besser unter Kontrolle zu haben, hatte die Stadtverwaltung von Granada ein freistehendes Gelände zur Verfügung gestellt und ein großes Zelt aufgebaut, wo die Teilnehmer zu ohrenbetäubender Musik tanzten. In der südspanischen Metropole hatte es per SMS und über das Internet die ersten Aufrufe zu dem Massenbesäufnis gegeben. Auslöser war eine Freiluftparty von Studenten in Sevilla vor einem Monat gewesen, an der 5000 Menschen teilgenommen hatten. Die Rivalität beider andalusischen Städte führte dazu, dass Granada diese Zahl überbieten wollte. Die Idee breitete sich dann in ganz Spanien aus.

So beteiligten sich 20 Städte an dem Wettstreit. „Diese Alkoholtreffen sind sehr gefährlich“, kritisierte die Drogenbeauftragte der Regierung, Carmen Moya. Sie deutete an, dass hinter den Aufrufen nicht nur partyhungrige Jugendliche stünden: „Es gibt auch ein kommerzielles Interesse, schließlich steigt der Schnapsverkauf.“ Katerstimmung herrschte am Samstag auch unter Tausenden Reinigungskräften, die tonnenweise Müll beseitigen mussten. „Dieser Gestank von Urin und Erbrochenem ist kaum auszuhalten“, sagte in Sevilla eine mit einer Atemmaske ausgestattete Stadtangestellte.

Für das nächste Wochenende gibt es schon neue Aufrufe zu Saufgelagen. dpa

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