Welt : Zehntausende US-Patienten infiziert?

Washington/Las Vegas - Ein beispielloser Skandal um unsaubere Spritzen versetzt zehntausende Patienten einer Klinik in Las Vegas (US-Staat Nevada) in Angst. Zwischen März 2004 und Anfang dieses Jahres soll das medizinische Personal des „Endoscopy Centers“ in der schillernden Glücksspieler-Stadt Spritzen mehrfach verwendet haben – Patienten könnten sich dabei nicht nur mit Gelbsucht (Hepatitis), sondern auch mit HIV-Erregern infiziert haben, befürchten die Gesundheitsbehörden.

Rund 40 000 Menschen, die zwischen März 2004 und Januar diesen Jahres bei Eingriffen in der Klinik Betäubungsspritzen erhielten, werden nun in den kommenden Tagen Post mit dem Rat erhalten, sich vorsorglich testen zu lassen – möglicherweise sogar auf eigene Kosten. Betroffene sind verzweifelt, hilflos und wütend. Die Behörden sprechen vom größten Aufruf dieser Art in den Vereinigten Staaten.

Bei sechs Patienten der Klinik wurde bereits eine Hepatitis-C- Infektion festgestellt, berichtete die Zeitung „Las Vegas Sun“. Dass zwar nicht die Nadeln, wohl aber die Spritzenkörper immer wieder verwendet wurden, war nach Recherchen des „Las Vegas Review Journal“ gängige Praxis „von Ärzten bis hin zum technischen Mitarbeiter“. Die Leitung der auf Magen-Darm-Krankheiten spezialisierten Klinik äußerte „tiefes Bedauern“, blieb zunächst aber eine Erklärung schuldig. „Das Ausmaß ist beunruhigend“, sagte Mediziner Joseph Perz von der US-Gesundheitsbehörde CDC.

Ärzte schütteln den Kopf über die Zustände in der Klinik. Schon im ersten Studienjahr lernten angehende Mediziner, dass Spritzen nur ein Mal verwendet werden dürfen, sagt Cheryl Hug-English von der medizinischen Fakultät der Universität von Nevada. „Wir nehmen das sehr ernst.“ Hepatitis ist eine durch Viren, Bakterien oder Parasiten hervorgerufene Leberentzündung, die das wichtige Organ erheblich schädigen können. Im Fall des Skandal in Las Vegas befürchten die Gesundheitsbehörden eine Infektion mit den beiden Hepatitis-Typen B und C, die auf dem Blutweg übertragen werden können. dpa

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