Welt : Zeichentrickfilm: Zeigen, was man nicht zeigen darf

Andrea Nüsse

Das Leben von Jesus gibt es als Comic, als Zeichentrick- und Spielfilm und gar als Persiflage. Das Leben des Propheten Mohammed, der im Islam verehrt wird, kann man nur im Koran und in Büchern ohne jede Abbildung nachlesen. Das hat seinen Grund. Denn traditionell ist es im Islam verpönt, Lebewesen darzustellen. Das Abbildungsverbot gilt absolut für den Propheten und seine Familie. Es ist zwar im Koran nicht ausdrücklich erwähnt, aber in vielen Prophetenaussprüchen überliefert.

Hintergrund dessen ist, dass sich Gott im Islam durch einen Text, den Koran, offenbart. Außerdem ist jede menschliche Vorstellung der göttlichen Wahrheit nur ein Trugbild, dessen Abbildung der Muslim nicht verehren darf. Maler und Bildhauer wurden verdächtigt, als Bildner zu versuchen, Gott ebenbürtig zu sein. Die Porträtkunst und die Plastik sind wenig entwickelt. Und bisher hat es niemand gewagt, einen Film über die Person zu drehen, die man nicht abbilden darf. Doch der ehemalige Filmdirektor von Walt Disney, Richard Rich, und die Produktionsgesellschaft Badr International ließen sich von dem Markt locken, den die eine Milliarde Muslime in der Welt darstellen. Sie produzierten den ersten Zeichentrickfilm über das Leben Mohammeds.

Der 90-minütige Film "Mohammed, der letzte Prophet" erzählt die Geschichte des Mannes, der vor 1400 Jahren in Mekka gepredigt hat, dann nach Medina fliehen musste und von dort aus den neuen Glauben verbreitete. Dargestellt wird der Prophet durch ein helles Licht, dazu ist eine Stimme aus dem Off zu hören. Der in Burbank in Kalifornien hergestellte Film wurde unter der Aufsicht eines Professors für Islamisches Recht an der Universität von Kalifornien in Los Angeles erarbeitet. Doch damit das gewagte Werk auch in der islamischen Welt angenommen wird, wollten sich die Produzenten den Film von den Gelehrten der Al-Azhar-Universität in Kairo absegnen lassen. Die Universität ist die höchste Instanz in sunnitischen Glaubensfragen und in der gesamten arabischen Welt respektiert. Die Gelehrten hatten nur einen Einwand: Ein Onkel des Propheten, der auf der Leinwand als Person zu sehen ist, müsse noch verschwinden. Das wurde zugesichert und die Universität gab am Dienstag grünes Licht für die Verbreitung des Streifens.

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