Zigaretten : Die Regierung Ihrer Majestät schockt

Großbritannien warnt ab dieser Woche mit Horrorbildern auf Zigarettenpackungen. Pro Jahr sollen dadurch 10.000 Raucher abgeschreckt und rund 2500 Menschenleben gerettet werden.

Matthias Thibaut[London]
Raucherlunge
Raucherlunge. Noch eines der harmloseren Motive. -Foto: AFP

Am Mittwoch kommen die britischen Gesundheitsbehörden mit dem Knüppel. Ab 1. Oktober bleibt es nicht mehr bei dem üblichen „Die Regierung Ihrer Majestät warnt: Rauchen tötet“. Die Gesundheitswarnungen auf den Zigarettenschachteln werden dann mit Bildern illustriert, die dem Raucher nichts ersparen: Verrottete Zähne, Raucherbeine, vom Krebs zerfressene Lungen, von Mundkrebs verunstaltete Gesichter, sogar eine graugrüne Leiche – alles wird bunt und in scharfer Auflösung hinten auf jeder Zigarettenschachtel gezeigt. „Diese Bilder zeigen unverstellt die Wirklichkeit des Rauchens“, sagt der Chef der britischen Gesundheitsdienste, Sir Liam Donaldson. „Schriftliche Warnungen haben schon viele Raucher zum Aufgeben bewegt. Ich hoffe, diese Bilder bewegen noch mehr Raucher dazu, gründlich darüber nachzudenken, ob sie nicht aufgeben wollen.“

Gesundheitspolitiker rechnen damit, dass die Warnungen 5000 bis 10 000 Menschen pro Jahr dazu bringen werden, nicht mehr zu rauchen. „Dies wird jährlich etwa 2500 Menschenleben retten“, behauptet Professor Robert West von der britischen Krebshilfeorganisation Cancer Research UK. Täglich sterben in Großbritannien etwa 240 Menschen an den direkten Folgen des Rauchens. Die Kosten, die dadurch dem Gesundheitssystem entstehen, sind enorm. Deshalb lässt die Regierung nichts unversucht, die Statistik zu verbessern. Nicht ohne Erfolg: In den vergangenen vier Jahren haben rund drei Millionen Briten aufgehört zu rauchen. In der EU führt Großbritannien nach Belgien als zweites Land die bebilderten Warnungen ein. Kanada war Pionier dieser Methode, die sich bereits in etwa 20 Ländern bewährt. Nach einer Studie der kanadischen Uni Waterloo sind die illustrierten Warnungen doppelt so wirksam wie die reine Textwarnung – und auch die hat laut britischem Gesundheitsministerium fast 100 000 Raucher dazu bewogen, den Raucherberatungsdienst anzurufen. „In Kanada nannten ein Drittel derer, die das Rauchen aufgeben, die Bilder auf den Zigarettenschachteln als Grund“, sagt Bryan Stokes, Vorsitzender des Verbandes britischer Gesundheitsämter. „Zu lange hat man den Rauchern ein falsches, romantisches Image vorgemacht, mit freier Natur, Cowboys auf Pferden und so. Die Wirklichkeit sind faule Zähne, schlechter Atem, Lungenkrankheiten und Herzinfarkt.“

Während die meisten Raucher die Kampagne resigniert hinnehmen, hat die Methode durchaus Kritiker. „Das Mobbing gegen die Raucher hat eine neue Qualität erreicht“, schimpft Simon Clarke. Er ist Vorsitzender des Verbands Forest, der für das Recht der Freude am Tabakgenuss kämpft – Forest steht für „Freedom Organisation for the Right to Enjoy Smoking Tobacco“. „Wir sind nicht gegen Aufklärung über die Gesundheitsgefahren des Rauchens. Aber dies geht weit darüber hinaus. Hier werden Raucher angepöbelt, erniedrigt. Das Rauchen wird entnormalisiert, und das kann man nicht machen, wenn zehn Millionen Menschen es tun.“ Raucher seien der Meinung, dass sie als Gruppe „ausgesondert werden“. Anders als in Deutschland wird das Rauchverbot in der Öffentlichkeit in Großbritannien ohne großen Widerstand umgesetzt.

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