Welt : Zigaretten mit Chipkarte

Rainer Woratschka

Bisher galt die Aufmerksamkeit der Jugendschützer vor allem dem Alkohol. Wer Minderjährigen Hochprozentiges aushändigt, bekommt Ärger - nicht aber, wer ihnen Zigaretten verkauft. Das soll nun anders werden. Noch vor der anstehenden Bundestagswahl, so die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk (SPD), soll das Jugendschutzgesetz ergänzt und die Abgabe von Tabakprodukten an Jugendliche unter 16 Jahren verboten werden. Und damit das Verbot nicht bloß auf dem Papier steht, sollen Minderjährigen auch die Zigaretten-Automaten versperrt bleiben. Nach den Plänen von Familien- und Gesundheitsministerium sollen sie so umgerüstet werden, dass sie statt Münzen nur noch Geldkarten akzeptieren, auf denen das Alter des Karteninhabers per Chip gespeichert ist.

Zum Thema Hintergrund: Jugendliche und Zigaretten im Ausland Caspers-Merk verweist darauf, dass das Einstiegsalter deutscher Raucher derzeit bei 13,5 Jahren liegt. Die Zugangsschwelle zu erhöhen habe sich auch in anderen Ländern als "sehr positiv" erwiesen. Allerdings müsse sichergestellt sein, dass von den Karten keine anderen Daten abgelesen werden könnten.

Schon vor einem Jahr hatte die damalige Drogenbeauftragte Christa Nickels (Grüne) dem Tagesspiegel von derartigen Planungen berichtet. Es gebe nur zwei Möglichkeiten: Die Automaten jugendsicher zu machen oder sie ganz zu verbieten. Die Betreiber nahmen die Drohung ernst - und entwickelten vorsorglich bereits eine Technik, die das Ziehen von Zigaretten auch per Eurocheque-Karte ermöglicht. Allerdings fordern sie eine Übergangszeit. Und bejammern schon einmal die Kosten. Die Umrüstung der 830 000 Zigarettenautomaten in Deutschland würde gut 500 Millionen Euro betragen - und damit die Kosten der jüngsten Umrüstung von D-Mark auf Euro-Münzen noch übersteigen.

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