Welt : Zirkus um Kenia

Die seit einer Woche vermisste Elefantendame ist im Landkreis Nauen in einer Manege wieder aufgetaucht

Sandra Wirsching

Kenia ist wieder da. Das Ende einer tagelangen Reise oder der Beginn eines neuen Abenteuers? Die Gerüchteküche kocht. Denn nach intensivster Fahndung hat die Polizei Dessau die 22-jährige Elefantenkuh des Zirkusdirektors Karl-Heinz Köllner im Landkreis Nauen aufgespürt – als dieser sich gestellt hatte. Weitere Details verrät die Polizei aber nicht. Angeblich wolle man keine Aufregung um das Tier. Wahrscheinlich jedoch sollen ganz andere Gemüter nicht beunruhigt werden. Denn Insidern zufolge geht es jetzt um den Verkauf von Kenia. Zunächst hatte sich der Zirkus „Voyage“ der Gebrüder Schindler für sie interessiert. Nun soll sich Kenia im Zirkus Renz bei Friesack aufhalten. Für Köllner jedenfalls ist ein Verkauf lukrativ, weil in Europa der Import von Wildtieren verboten ist und Elefanten derzeit gut 60 000 Euro wert sind. Und allein darf Köllner Kenia laut Gesetz nicht halten: Elefanten sind hochsoziale Tiere. Mindestens zu zweit müssen sie sein.

Vor genau einer Woche nahm das Zirkusdrama um Kenia seinen Anfang. In einer Nacht- und Nebelaktion verließ Karl-Heinz Köllner, Direktor des Zirkus „Harlekin“, sein Winterquartier in Göritz bei Dessau – den Elefant im Gepäck. Rechtswidrig. Denn der zwei Tonnen schwere Dickhäuter durfte auf Anordnung des Veterinäramtes Anhalt-Zerbst nicht von seinem Platz bewegt werden. Gegen Köllner lag eine Anzeige wegen Tierquälerei vor, der die Behörden noch nachgehen. Köllner muss jetzt verhört werden. Der Düsseldorfer Tierschutzverein „Animal Public“ ist dem Direktor schon seit Sommer 2002 auf der Spur. Damals stand dessen andere Elefantenkuh Rani täglich in den Schlagzeilen, als sie sich den Oberschenkel gebrochen hatte und in einer Berliner Pferdeklinik behandelt werden musste. Durch den Medienrummel konnte sich Köllner die 10 000 Euro teure Behandlung für Rani durch Spenden finanzieren lassen. Doch Ende des Jahres machte der Zirkusstar wieder schlapp, der Bruch schien nicht ausgeheilt. Anfang Januar blieb nur noch die Einschläferung.

Für Thomas Höller vom Tierschutzverein „Animal Public“ ein klarer Beweis für Köllners Unverantwortlichkeit: „Er darf nicht länger Elefanten halten“, fordert er. Monatelang hatten sie versucht, Rani und Kenia in der einzigen europäischen Auffangstation für Wildtiere im österreichischen Gänserndorf unterzubringen. Vergebens. Noch im Dezember wollte Köllner dem Betriebsleiter der Station, Laslo Török, einen Verkauf von Rani schmackhaft machen. Allein die 100 000 Euro waren den Österreichern in Gänserdorf zu viel. Zumal Török das Elefantenpaar Anfang Januar selbst in Augenschein nehmen konnte. „In meiner 19-jährigen Pflegetätigkeit hab ich dergleichen nie gesehen. Es stank regelrecht nach faulenden Wunden. Ich war schockiert“, erinnert sich Török. Kenias Zustand schätzt er jetzt als sehr kritisch ein. „Den Tod von Rani wird sie nicht ohne weiteres verkraften“, glaubt er. Bei ihm in Gänserndorf könnte sie nun unterkommen. Zunächst mit eigenem Gehege, um sich zu erholen. „Wir würden aber sofort geeignete Partner suchen, denn mit unseren asiatischen Elefanten können wir die afrikanische Kenia nicht zusammenlegen“, sagt Török.

Derzeit befindet sich der Elefant „unter amtstierärztlicher Kontrolle“, wie es bei der Dessauer Polizei heißt. Eigentlich ist Hartmut Knobloch vom Veterinäramt Anhalt-Zerbst zuständig. Bei der letzten Untersuchung Kenias vor der Flucht bestätigte er ihr „einen akzeptablen klinischen Zustand“. Der Verein „Elefantenschutz Europa“ geht in diesem Fall jedoch eher von einem „Wegschauen“ aus. Eigentlich gehörten Elefanten in Zirkussen verboten, fordert der Vorsitzende Alexander Haufellner. Denn artgerecht könne dort kein Dickhäuter gehalten werden. Jochen Fleischmann vom Zirkus „Scharivari“ widerspricht dem entschieden. Es fehle lediglich eine effektivere Kontrolle bestehender Gesetze. Für Köllner hat er kein gutes Wort übrig: „Leute wie er ruinieren unsere Branche.“

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