Welt : Zoo zeigt Afrikaner

Augsburg will Menschen präsentieren

Christiane Reichart

Der Zoo in Augsburg ist stolz auf sein Afrika-Panorama. Umgeben von einer natürlichen Wassergrenze tummeln sich auf drei Hektar Baringogiraffen und Antilopen, Watussi-Rinder, Strauße und Zebras. Wie in der Serengeti. Die es gesehen haben, schwärmen davon.

Barbara Jantschke, die Zoodirektorin, kennt den Trend der Zeit: Erlebniswelt Tierpark. Der Zoo mit Eventcharakter soll das Rezept der Zukunft gegen wachsende Konkurrenz und abnehmende Besucherzahlen sein. Das hat Frau Jantschke begriffen. Im Augsburger Zoo gibt es Musicals, Führungen und Kunstausstellungen. Nun steht ein weiteres Event bevor, „African Village“. Am zweiten Juniwochenende wird rund um die „einmalige afrikanische Steppenlandschaft“ ein „afrikanisches Dorf“ entstehen. Tontöpfer, Zöpfchenflechterinnen und Silberschmiede werden sich neben Elefanten, Giraffen und Zebras gruppieren. Dazu gibt es Konzerte von afrikanischen Künstlern und Speisen aus Gambia und Ägypten. Ein afrikanisches Dorf als Ausstellungsobjekt im Zoo? Wer Lehmhütten und Maniok stampfende, barbusige Frauen erwartet, der wird sich enttäuscht sehen. Eine Plattform für afrikanische Künstler und Händler wird es sein, sagt die Zoodirektorin. Das „African Village“ gebe ihnen die Möglichkeit, im Rahmen eines Afrika-Festivals die vielfältige afrikanische Kultur und Kunst zu präsentieren. Und die Besucher könnten bei „erlesenen Teespezialitäten“ und den anwesenden Reiseveranstaltern ihren Urlaub planen. Die Zoodirektorin ist auch wissenschaftliche Fachleiterin bei Conti-Reisen.

Darf man Menschen im Zoo präsentieren? Kritiker sehen in der geplanten Veranstaltung eine gefährliche Nähe zu den Völkerschauen, die Ende des 19. Jahrhunderts als Unterhaltung für die nach Exotik süchtigen Großstädter in Mode kamen. Das Fremde, das Außergewöhnliche zur Besichtigung anzubieten, hat eine lange Tradition. Auf Jahrmärkten und im Zirkus sah man mit wohligem Schauer wilde Tiere an der Kette oder Menschen mit seltenen Missbildungen und erfreute sich der eigenen Normalität.

Eine ganze Kultur allerdings zum Ausstellungsstück zu machen, ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Man wollte sehen, anfassen, erleben, was man mit den kolonialen Eroberungen zu besitzen glaubte.

Auch in Berlin war es neben dem Panoptikum in der Friedrichstraße, dem Treptower Park, der Hasenheide und zahlreichen anderen Orten der Zoologische Garten, in dem man „Exoten“ besichtigen konnte. Großen Wert legte man darauf, möglichst zahlreiche Handwerkskünste der Exoten zu demonstrieren.

Sicher, sagt Barbara Jantschke, Parallelen zu den Völkerschauen seien vorhanden. Der Zoo als Ort, eine andere Kultur vorzustellen, könne durchaus Vergleiche nahe legen. Allerdings sei die Veranstaltung in Augsburg mit einem völlig gegensätzlichen Anspruch verbunden. Man wolle für Toleranz und Völkerverständigung werben.

Die Veranstalter, das ist die Firma MaxVita in München. Er sei selbst afrikanischer Herkunft, betont Medhat Abdelhati, Chef der Max-Vita. Ihm gehe es darum, die afrikanische Kultur bekannt zu machen, sie quasi aus dem Zoo herauszuholen, indem er ihre Stellung in Europa ad absurdum führe.

Wie stand es 1897 in der Ausstellungsbroschüre zur Transvaal-Ausstellung auf dem Kurfürstendamm geschrieben? Sie soll „dem Publikum Gelegenheit bieten, sich durch eigene Anschauung mit dem Leben und Treiben fremder Völker und Menschenrassen, mit den Gewerbethätigkeiten, den Culturverhältnissen, den industriellen und Agrar-Verhältnissen, der landwirtschaftlichen Szenerie, der Pflanzen- und Thierwelt vertraut machen.“

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